H. W., Kiel

Seinen Kampf um einen Religionsunterricht eigener Prägung hat der Kieler Studienassessor Dr. Eberhard Cold zunächst einmal verloren. Das schleswig-holsteinische Kultusministerium hat ihn aus dem Schuldienst entlassen. Cold, der als Assessor „Beamter auf Probe“ war, ist nicht zum „Beamten auf Lebenszeit“ ernannt worden.

Der entlassene Lehrer will jetzt vor dem Landesverwaltungsgericht klagen. Er ist der Meinung, daß er zu Unrecht aus dem Schuldienst entlassen worden sei.

Nach der Meinung des Ministeriums widersprach Colds Religionsunterricht sowohl dem Staatskirchenvertrag zwischen dem Land Schleswig-Holstein und den evangelisch-lutherischen Landeskirchen als auch dem Artikel 7 des Grundgesetzes, auf den sich der Staatskirchenvertrag bezieht. Im Grundgesetz heißt es: Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt.“ Und im Kirchenvertrag, der für die Lehrplanrichtlinien maßgebend ist, wird verlangt, daß die Grundsätze der evangelisch-lutherischen Kirche für den Religionsunterricht in den öffentlichen Schulen maßgebend sein sollen.

Gegen diese Grundsätze aber hat Dr. Cold nicht nur nach Ansicht des Ministeriums verstoßen. Cold hatte in den unteren Klassen Christuslegenden vorgetragen. In den Oberklassen trieb er vergleichende Religionslehre, wobei er die Religionen fremder Völker und auch die griechische Philosophie behandelte. Die biblischen Grundlagen aber habe er dagegen nur am Rande behandelt, wie es ein Sprecher des Kultusministeriums formulierte. Der Religionsunterricht sei jedoch nicht dazu da, um in den Unterrichtsstunden Privatmeinungen zu verfechten. Der Assessor indessen erklärt, er habe nicht anders gehandelt als Rudolf Bultmann und andere Theologen.

Jetzt werden sich die Schleswiger Verwaltungsrichter mit vergleichender Religionsbetrachtung beschäftigen müssen. Im übrigen: Der Landesbischof in Kiel war es nicht, der die Entlassung des streitbaren Studienassessors verlangte.