Elektronengehirn für Petrus – Knappschaftsarzt Doktor Martin Luther – Busen auf dem Rücken Witz und tiefere Bedeutung

Von Heinrich Lützeler

Professor Dr. Heinrich Lützeler, Ordinarius für Kunstgeschichte an der Universität Bonn, weithin bekannt durch Bücher wie „Die christliche Kunst des Abendlandes“ und „Abstrakte Malerei“, ist auch der Autor vorzüglicher Abhandlungen über die Philosophie des Humors, besonders des „köllschen“ (es gibt auch eine Schallplatte). Er vertritt die These, daß der Humor nicht nur beiläufig, sondern entscheidend zum Wesen des Menschen gehöre.

In den Büchern der Historiker kommen Schmitz und Müller so gut wie überhaupt nicht vor; im allgemeinen berichten sie nur von den Leuten, die von sich reden machten. Die Geschichtsschreibung hat es mit dem geschichtlich Wirksamen zu tun.

Aber es gibt doch auch die kleinen Leute. Jeder von ihnen hat das Jahr hindurch seinen Packen oder sein Päckchen getragen – oft mit wundem Körper und mit müdem Herzen. Glücklich, wer hier und da zu lachen weiß, im erleichternden Witz, im versöhnlichen Humor!

Im Witz äußern sich gerade die kleinen Leute. Sie nehmen einen alltäglichen Unmut als Ausgangspunkt; indem sie ihr Unbehagen am Bestehenden burlesk äußern, befreien sie sich von einer Last. Mannigfache Götzen beherrschen die Gesellschaft – der Götze Atom oder Wirtschaftswunder oder Tarif oder Sozialpaket oder was man sonst will. Wenn etwas vergötzt wird, dann wird es absolut genommen. Es steht auf einem Sockel; häufig genug verlangt es Gehorsam oder sogar Anbetung.

Der Witz stürzt es von diesem Sockel herunter. Dabei enthüllt er nicht nur ungerechtfertigte Ansprüche und zerstört nicht nur, was verlogen, morsch oder falsch ist. Er läßt sich dabei auch von einer höheren Weisheit leiten, setzt ins rechte Maß, führt zurück zu einem natürlichen Empfinden.