Statistiken und Informationen aus der Wirtschaft geben uns immer nur Aufschluß über das, was geschehen ist, nicht aber über das, was kommen wird. Und doch sind Fleiß und Eifer beim Sammeln von Zahlen nur zu erklären aus dem Wunsch, eine Prognose für die nahe oder fernere Zukunft zu versuchen.

Der Kaufmann, der Industrielle, kurz alle an der Wirtschaft Beteiligten verfolgen dauernd den Lauf der Dinge und bemühen sich um eine stete Verbesserung und Justierung ihrer Prognosen. Ihr Blick ist immer in die Zukunft gerichtet. Sie können es sich nicht leisten, ihre Vorausschau – wie wir es in dieser Ausgabe der ZEIT versuchen – nur aufs Jahresende hin zu tun. Sie müssen immerfort an der „Sache“ bleiben“.

Unser Mosaik von Länderberichten kann deshalb dem „Fachmann“ keine Geheimnisse verraten. Unsere Auslandskorrespondenten hatten auch gar nicht diese Aufgabe. Sie sollten nur einige wenige Daten „ihrer“ Wirtschaft herausgreifen und dazu über die Stimmung berichten, die in maßgeblichen Wirtschaftskreisen vorherrscht. Das Ergebnis: ein buntes Nebeneinander von Konjunkturbildern – Bilder, die nur allgemeine Tendenzen darstellen, aber gerade deshalb die Hauptprobleme der westlichen Industrienationen aufreißen.

Eine rasante Aufschwungsphase der europäischen Volkswirtschaften – etwa 3 Jahre anhaltend – hat sich zusehends verflacht. Nicht zuletzt, weil manchenorts die zur Realisierung weiteren schnellen Wachstums nötigen Arbeitskräfte einfach fehlen. An anderen Stellen verlangsamte sich der Gang der Wirtschaft, weil die heftige Expansion viele Unternehmer in eine „Gewinnklemme“ gebracht hat. In solchen Situationen ist man schwerlich geneigt, Investitionen übereifrig vorzunehmen. Da heißt es genauer und schärfer rechnen als bis anhin. Die Folge: Abwartende Haltung der Unternehmungen und somit leichte Dämpfung der Konjunkturerwartungen.

Vielleicht stecken wir heute auch – und das mag vor allem für die USA zutreffen – in einer Sättigungsphase, wo uns zusätzlicher materieller Konsum nicht mehr allzuviel bieten kann und deshalb von daher keine großen Antriebskräfte mehr auf die industrielle Produktion ausstrahlen. Was jedoch im industriellen Sektor zur Stagnation führen mag, könnte anderen Bereichen, zum Beispiel den Dienstleistungen, zu neuem Aufschwung verhelfen. Aber jede Wirtschaft braucht einige Zeit, um Sfrukluränderungen zu erkennen und sich schließlich danach zu richten.

Mag sein, daß der bisher dynamische technische Fortschritt eine gewisse „Ermüdung“ zeigt: in kleinen Details verbessert man zwar dauernd alle Gebrauchs- und Verbrauchsgüter, verbessert man auch die schon heute komplizierten Herstellungsverfahren – aber eigentlich umwälzende Neuerungen sind im Verlauf der letzten Jahre nicht oder noch nicht „konsumwirksam“ geworden.

So gesehen läßt die „Zukunft der Entwickelten“ eine gewisse Sättigung erkennen, die zweifellos ihre Auswirkungen auf den Wirtschaftsprozeß hat. Und mancher einfache Bürger, viele Arbeiter und Angestellte haben auch schon gemerkt, daß sie – gemessen an ihrer eigenen Leistung – eigentlich recht viel von der Wirtschaft erhalten und deshalb nicht unbesehen mehr und mehr fordern können. Nicht erkannt haben dies zum Teil die Gewerkschaften, die Unternehmer und alle, die berufsmäßig Interessengruppen zu vertreten haben.