Der japanische Konsument soll endlich mehr verbrauchen. Dieser Stoßseufzer ist an diesem Jahresende in Wirtschaftskreisen und bei Regierungsstellen zu hören; denn Japans Wirtschaft ist zu kopflastig geworden.

Das rasche Wachstum der letzten Jahre – von 1958 bis 1961 im Jahresdurchschnitt nominell 15,5 % (Bundesrepublik = ca. 10%) – hat zu einer Überkapazität geführt, die Japans Wirtschafttspolitiker vor schwere Probleme stellt. Während nämlich der Investitionsindex von 1958 (= 100) bis 1961 auf 340 stieg, blieben der Verbrauch mit 162 und der Export mit 166 zurück.

Zum Mißvergnügen des Ministerpräsidenten Ikeda begann daher die Bank von Japan, der Investitionslust der Industrie Zügel anzulegen. Da rund 60 % aller Investitionen mit geborgtem Geld erfolgen, fiel es der Bank relativ leicht, durch Kreditbeschränkungen viele Unternehmen zu einer Revision ihrer Ausbaupläne zu bewegen. So kommt es, daß sich der reale Wert des japanischen Bruttosozialprodukts in diesem Jahr nach vor-

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läufigen Schätzungen nur um etwa 7 % erhöhen wird – also rund die Hälfte der Vorjahrsquote. Ein solches Ergebnis läßt die Gesichter der Wirtschaftsplaner in Tokio aufleuchten. Nach ihrer Ansicht liegt die ideale Wachstumsquote für Japan etwas über 7 % Sie soll ausreichen, den Ikeda-Plan zur Verdoppelung des Volkseinkommens zu verwirklichen, wenn –, ja wenn es gelingt, den Wachstumsprozeß künftig harmonisch zu gestalten.

Wie das erreicht werden soll, ist vorläufig noch nicht zu sehen. Mit einer Einschränkung der Investitionen ist das Gleichgewicht noch nicht hergestellt; denn niemand vermag zu sagen, wie denn nun der Verbrauch erhöht werden soll. Von den Gewerkschaften geht zwar ein starker Druck auf die, Löhne aus, aber das betrifft nur die sogenannten ständigen Arbeitskräfte, und das ist die Minderheit. Außerdem spart der Japaner viel – 1961 waren es 19,8 % des Einkommens –, hauptsächlich um Vorsorge für das Alter zu treffen. Die Wirtschaftsplaner wünschen sich eine Steuerreform, um neue Anreize für den privaten Verbrauch zu schaffen.

Der Staat scheint auf seine Weise zu einer Ausbalancierung des Wirtschaftswachstums beitragen zu wollen: Man spricht von einer Staatsanleihe, durch die die Ausgaben der öffentlichen Hand erhöht und überfällige Infrastrukturaufgaben verwirklicht werden sollen.