Kanadas Bruttosozialprodukt für 1963 wird von Experten auf etwa 40 000 Millionen kan. Dollar geschätzt – verglichen mit etwa 39 400 Millionen in 1962. Dies würde eine bedeutende Verlangsamung des Wachstumstempos bedeuten. Wünschenswert wäre eine Steigerung des Bruttosozialproduktes um 4 bis 4 1/2 %, da jedes Jahr 250 000 neue Arbeitsplätze für die Prosperität als notwendig gelten.

Im Augenblick sind allerdings prominente Volkswirtschaftler nicht geneigt, die nahe Zukunft dieses riesigen Landes zu optimistisch zu bewerten. Donald E. Armstrong, Direktor der School of Commerce an Montreals berühmter McGills-Universität, rechnet in diesem Winter mit einer Arbeitslosigkeit von 650 000 und glaubt, daß erst das Frühjahr 1964 eine bemerkenswerte Besserung bringen wird. F. S. Capon, Vizepräsident von Du Pont of Canada, ist sogar der Ansicht, daß die Arbeitslosigkeit in diesem Winter so arg wie in den dreißiger Jahren werden könnte.

Doch der Pessimismus ist durchaus nicht allgemein. Autofabriken und Stahlwerke – um nur zwei Beispiele zu erwähnen – schnitten in 1962 ausgezeichnet ab und erwarten das gleiche im kommenden Jahr.

„Unsere Produktion in 1962 war um 20 % größer als in 1961“, berichtet E. H. Walker, Präsident von General Motors of Canada. Auch Präsident Allan Lambert, Präsident der großen Toronto-Dominion Bank, ist optimistisch und glaubt, daß das Wachstum der kanadischen Wirtschaft in 1963 „akzeptabel“ sein werde.

Wohl noch niemals haben so viele kanadische Handelsmissionen die Welt bereist wie in diesen Tagen. „Kanadier sind die Phönizier Amerikas“, behauptet José Miro Cardona, einst Ministerpräsident von Kuba. „Ihre Schiffe und Frachten gehen dorthin, wo sich gute Geschäfte machen lassen.“ Der Kubaner zielte auf die Geschäfte Kanadas mit Castros Kuba und mit Rotchina. Kanadier betonen, daß diese „Trade Crusades“, diese „Handelskreuzzüge“, für sie notwendig seien. Oft wird darauf hingewiesen, daß Kanada je Kopf der Bevölkerung mehr Waren importiere als jedes andere Land der Erde.

Dazu behauptet ein prominenter Importeur, Torontos Derrick F. Kershaw, Vizepräsident der British-Canadian Trade Association:

„Kanadier importieren wohl per capita im Jahre Waren für 320 Dollar. Doch niemand erwähnt gleichzeitig, daß Kanada im Jahre je Kopf Produkte für 327 Dollar exportiert!“ Kanadische Außenhandelsexperten reagieren auf eine solche Stellungnahme wie folgt: „Eine Million Dollar für kanadischen Weizen bedeutet Arbeit für 150 Kanadier. Eine Million Dollar für importierte Autos bedeutet 2000 Arbeitsplätze für Briten oder Deutsche.“