Der skandinavische Konjunkturhimmel ist nicht länger wolkenfrei. Noch gibt die wirtschaftliche Situation zu direkten Besorgnissen keinen Anlaß; das Wachstum der inländischen Konsumkraft hält unvermindert an, die Beschäftigung ist durchgehend hoch und zum Teil mehr als das, aber im Export machen sich Absatzschwierigkeiten geltend, in Dänemark für Agrarerzeugnisse, in Schweden, Norwegen und Finnland für Metalle, Eisen und Stahl, vor allem jedoch für Holz und Holzveredelungsprodukte.

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Ob in Norwegen das Sozialprodukt im gleichen Umfang wie bisher zunehmen wird – 1959 um 4 %, 1960 um 6 % und 1961 um 5 % – läßt sich an Hand der bis jetzt vorliegenden Konjunkturziffern noch nicht sagen. Die wirtschaftliche Lage ist von stark gegensätzlichen Tendenzen geprägt. Im Durchschnitt der ersten zehn Monate übertraf die Industrieproduktion das Volumen des Vorjahres um 4,7 %. Während der Index (1955 = 100) für die Exportindustrien aber nur um 2 % von 132 auf 135 anwuchs, erhöhte er sich für die Binnenmarktindustrien um 5,6 % von 137 auf 145; die größere Zunahme hatten hier die Investitionsgüter zu verzeichnen, für die der Index auf 150 (141) stieg, während er sich für Konsumgüter auf 140 (134) erhöhte. Die in diesen Zahlen zum Ausdruck kommende Verschiebung hat sich nachteilig auf die Handelsbilanz des Landes ausgewirkt, die ultimo Oktober (ohne Schiffe) mit einem um 343 auf 2971 Mill. Kr. angewachsenen Passivsaldo abschloß. Dies für Norwegens Außenhandel typische Riesendefizit muß im wesentlichen aus den Frachterträgnissen der Schiffahrt gedeckt werden. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres beliefen sich die Nettoerträgnisse der Schiffahrt auf 2665 (i. V. 2645) Mill. Kr., weshalb man für das Kalenderjahr 1962 ein Zahlungsbilanzdefizit von etwa 1500 Mill. Kr. erwartet. Sollte sich 1963 die Abschwächung im Exportgeschäft fortsetzen, würde dies bedenkliche Auswirkungen auf die Währungsreserven haben, die bis Ende Oktober 1962 bereits um 442 Mill. Kr. zurückgingen, während im Vorjahre noch eine Zunahme um 318 Mill. Kr. verbucht werden konnte

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In Finnland haben sich die 1961 sichtbar gewordenen Symptome für ein Nachlassen der Konjunktur in diesem Jahre weiter akzentuiert. Wie man sich in finnischen Wirtschaftskreisen ausdrückt, hat man es mit einer „Stagnation auf hohem Niveau“ zu tun. Die jährliche Wachstumsrate von 9 %, 14 % und 10 % in den Jahren 1959 bis 1961 (eine ähnlich starke Entwicklung wurde in Westeuropa nur von Italien erreicht) dürfte 1962 allerdings wesentlich niedriger gewesen sein. Die Zunahme des Sozialprodukts wird auf 4 % gegenüber 6 % im Jahre 1961 veranschlagt. Diese rückläufige Tendenz beruht auf den Preissenkungen und Produktionseinschränkungen in der Zellstoff- und Papierindustrie, nachdem die Holzbearbeitung bereits 1961 einen Rückschlag zu verzeichnen hatte und in der ersten Hälfte 1962 um weitere 7 % gesunken ist. Dagegen hat sich die Produktion der Metallindustrie günstig entwickelt; hier blieb die Zunahme mit 10 % unerheblich gegenüber der Produktionssteigerung des Vorjahres (13 %) zurück. In immer stärkerem Maße macht die Metallindustrie der Holzindustrie den Rang als größte Industriegruppe des Landes streitig.

Den Abschwächungstendenzen in Produktion und Export stehen, ähnlich wie in den andern nordischen Ländern, steigende Preise und Löhne gegenüber. Nach einer bemerkenswerten Stabilität des Preisniveaus in der Zeit von der Finnmark-Abwertung im September 1957 bis zum Herbst 1961 sind die Lebenshaltungskosten seither um 6 % in die Höhe gegangen. Trotz den beruhigenden offiziellen Versicherungen spricht man darum schon wieder von einer schleichenden Inflation. Ein im November durchgeführter Preisstopp für alle wichtigeren Waren und Dienstleistungen wurde zwar mit der am 1. Januar 1963 in Kraft tretenden Geldreform nach französischem Muster (1 neue Finnmark = 100 alte Finnmark) motiviert, aber es liegt auf der Hand, daß man damit den inflationären Tendenzen entgegenwirken will. Auf der gleichen Linie liegen die Maßnahmen zur Eindämmung von Abzahlungsgeschäften sowie die strengere Geldpolitik der Bank von Finnland.

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