„Abschied in der Dämmerung“ (Japan; Verleih: Atlas): Yasujiro Ozu war bislang unbekannt bei uns. Daß uns jetzt als erste seiner Arbeiten „Ukigusa“ erreicht, ist deshalb ein doppelter Glücksfall. Ist dieser Film doch bezeichnend für Ozus ganzes Werk, das sich wie der Gegenpart zum Werk Kurosawas ausnimmt. Den dynamischen und expressiven Filmformen und den vehement dramatischen Fabeln Kurosawas stehen bei Ozu Geschichten gegenüber, die sich vornehmlich Themen der Stagnation zuwenden. Mit Akribie und Melancholie registriert Ozu das Auseinanderbrechen von Ehen, Familien, künstlerischen Traditionen. Eine Studie des Zerfalls ist auch „Ukigusa“. In die kritische Skizze einer untergehenden Kabuki-Wanderbühne ist sublim die Absage an japanische Familientraditionen verwoben. Ein alternder Schauspieler kommt mit seiner Truppe in jene Provinzstadt, wo er einst Triumphe feierte und wo seine einstige Geliebte mit ihrem und seinem Sohn lebt, der nicht weiß, daß der Schauspieler sein Vater ist. Die privaten wie künstlerischen Konflikte münden jedoch nicht in eine Katastrophe klassischen Kanons, sondern in die schwebende Fragwürdigkeit antonionischer Art. Als Liebhaber der verhaltenen Dramaturgie weiß Ozu auch die Filmform zu bändigen. Es gibt nur harte Schnitte, und jedes Bild ist von einer statischen Kamera einzeln komponiert und bis zum Graphischen stilisiert Die Farbe, satt und überreif, wird Funktion. rpk