DIE ZEIT

Wohlstand und Trostlosigkeit

Viele Reden werden im Laufe des Jahres gehalten, doch kaum eine, die man noch einmal hören möchte. Eine Ansprache des Jahres 1962 aber halten wir für so wesentlich, daß wir sie an dieser Stelle abdrucken.

Meilenstein Nassau

Die Beschlüsse der britisch-amerikanischen Bahama-Konferenz haben historische Bedeutung für die Verteidigungsstruktur des Westens.

Das letzte Adenauer-Jahr

Wäre die Bundesrepublik eine stille Pazifik-Insel im Windschatten der großen Ereignisse, dann könnte man sich vielleicht mit dem letzten Jahr zufrieden geben.

Worte des Jahres

„Es steht mehr Geld zur Verfügung um zu erforschen, wie sich künftige Weltraumfahrer ernähren sollen, als für die Erforschung der Frage, wie sich fast zwei Milliarden hungriger Menschen ernähren sollen.

Die Krise in der CSU

Seit Franz-Josef Strauß an der Spitze der CSU steht, leidet die Partei an einer latenten Krise. Offenkundig wurde sie jetzt, als gegen den Bundestagsabgeordneten Freiherr von Guttenberg ein Partei-Schiedsverfahren eingeleitet wurde.

Der Papst der Versöhnung

In St. Germain-des-Prés, der ältesten Kirche von Paris, hielt in den Messen des vorletzten Sonntags ein chilenischer Bischof kurze Ansprachen, der vom Vatikanischen Konzil in seine Heimat zurückreiste.

Ernüchterte Neutrale

Für die außereuropäischen Neutralen hat das Jahr 1962 drei Ereignisse von größter Wichtigkeit gebracht: Die amerikanisch-sowjetische Kraftprobe in Kuba, den indo-chinesischen Grenzkrieg und – zeitlich vor diesen Ereignissen, aber in seinen Auswirkungen einstweilen noch nicht zu übersehe – die Neutralisierung von Laos, wo bis dahin eine Art „spanischer Bürgerkrieg“ zwischen Ost und West ausgetragen wurde.

Jahr des Westens

In der großen Auseinandersetzung zwischen Ost und West, die seit anderthalb Jahrzehnten das Weltgeschehen bestimmt, ist 1962 ein Jahr des Westens gewesen.

Risse in der Kremlmauer

In der Sowjetunion herrscht die Partei über Staat und Regierung. Es ist daher nicht erstaunlich, daß in der sowjetischen innenpolitischen Entwicklung im Jahre 1962 nicht etwa die Wahlen zum Obersten Sowjet und die Umbildung der (aus 71 Mitgliedern bestehenden) Sowjetregierung im Vordergrund stand.

Kurs auf de Gaulles Europa?

Da gibt es einmal jene Vorstellung, wie sie die „Gründerväter“ der Nachkriegsjahre als Ideal und als Ziel vor Augen hatten: Ein neues Europa, politisch vereint, herausgewachsen aus der Enge und aus den Gefahren des nationalstaatlichen Denkens.

Das Parlament könnte mehr leisten

Wer den Bundestag seit seinen Anfängen aus der Nähe betrachtet hat, ist beunruhigt. Manches hat sich zum Schlechteren gewendet.

Ministerien aus der Bonner Retorte

Warum entstehen neue Bundesministerien? Die Bundesregierung hat 1949 mit 14 Ministerien angefangen, heute sind es 21. Einige davon sind aus unabweisbaren institutionellen Bedürfnissen geschaffen worden, zum Beispiel das Verteidigungsministerium oder das Ministerium für Atomfragen.

Überall, nur nicht in der Bundesrepublik

Betrachtet man die Affäre unvoreingenommen, so wird man rasch entdecken, daß hier die bayerische Polizei und Justiz einer befreundeten Macht eine selbstverständliche Gefälligkeit erwiesen hat.

Wie wird man einen Bürgermeister los?

In Südbaden braut sich ein zweiter Fall Marcello zusammen. Der Fall Marcello? In Baden-Württemberg eine überflüssige Frage! In Ministerien und Gerichten ist Dr.

Angst um die kölsche Seele

Was ist die kölsche Seele? Eine Mischung zwischen Thomas Liessein, Maria im Kapital, Kardinal Frings und „Bloodwoosch“, behaupten Spötter.

Die Affäre Dreyfus

Am 15. Oktober 1894 wurde Alfred Dreyfus, Hauptmann im französischen Generalstab, unter dem Verdacht des Landesverrats verhaftet.

Zeittragen: Zum Lachen oder Weinen?

Was die Quantität betrifft, sind wir kolossale Kerle. Um Quantitäten ging es auch Aldous Huxley, dem fast erblindeten Seher, bei dem Treffen von 120 Philosophen und Wissenschaftlern, das vor kurzem in Santa Barbara unter den Auspizien des Centre for the Study of Democratic Institutions stattfand.

Wolfgang Ebert:: Tun Sie’s doch selbst!

Weil die Höflichkeit bei den Gästen und Kunden des Hotelgewerbes, der Geschäfte, der Fluglinien und der öffentlichen Dienste sehr zu wünschen übrig läßt“, beantwortete Herr Krull, der Präsident von „Service“, meine Frage nach dem Grund, warum diese große internationale Vereinigung kürzlich einen Höflichkeitspreis – eine kleine Statue, die den „unbekannten Gast“ in seiner typischen Wartehaltung darstellt – ausgesetzt hat.

Der wirkliche Wolfgang Ebert

Sie sind Preuße? Aber das macht doch nichts. Kürzlich führte unser Herr Oberbürgermeister sogar Gäste aus Afrika mitten hinein ins bayerische Rokoko.

Zeitmosaik

Die von Hans-Ulrich Schmückle nach Motiven von François Boucher gestalteten Bühnenbilder zu einer Augsburger Aufführung der Mozart-Oper „Figaros Hochzeit“ (siehe den Artikel von René Drommert in der ZEIT Nr.

Kleiner Kunstkalender

Daß die Kunst in Polen lebendiger, freiheitlicher, moderner ist als im übrigen Ostblock, daß sie nach dem Westen tendiert, hat man bisher aus manchen künstlerischen Randerscheinungen vermuten können.

Theater für die Bibliothek

Das Leserpublikum dürfte sich durch die Betriebsamkeit auf dem Theaterbuchmarkt allmählich verwirrt fühlen. Was da manchmal in einen Papp-oder Leinenband zusammengefügt erscheint, ist oft nur vom Zufall verfügbarer Verlagsrechte unter einen Deckel gebracht worden.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT „elf literarische Porträts“: Alfred Döblin – Der Lyriker Brecht – Ernest Hemingway – Cesare Pavese und Albert Camus – Ernst Barlachs Dramen – Freuds Briefe – Tucholskys Essays – Karl Reinhards Studien – Felix Hartlaubs Notizen – Bruno Schulz’ Vermächtnis.

Nr. 52 vom 25. Dezember 1952: Und was diesmal?

Zweierlei weihnachtliche Vergünstigungen hat die Sowjetzonenverwaltung den 18 Millionen Deutschen hinter dem Eisernen Vorhang angekündigt: Während der Weihnachtsfeiertage werde man nach Möglichkeit die üblichen Stromsperren ausfallen lassen und der erwachsenen Bevölkerung pro Kopf 125 Gramm Bohnenkaffee zur Verfügung stellen.

Der Roman eines Feldherrn

Vor einer Betrachtung des neu erschienenen, allerdings 1939 schon einmal in der gleichen Übersetzung veröffentlichten historischen.

1962 - im Taumel der Rekorde

Der Philosoph Eduard Spranger hat unsere Zeit ein Jahrhundert des Rekords und des Sports genannt. Die Kultur sei soweit fortgeschritten, meint er, daß die Menschen Gefahr liefen, ganz „Geist“ zu werden und dabei „vital“, d.

Theater

Anouilhs jüngstes Stück, das deutschsprachig zuerst in Wien durch Axel von Ambesser inszeniert worden war, diente in Berlin Erwin Piscator als Anlaß, soziale Mißstände zu demonstrieren.

Fernsehen: Zoologische Rührseligkeit

Die Familienseligkeit des Deutschen Fernsehens greift weiter um sich: Nach den Schölermanns und den Hesselbachs gibt es jetzt auch die Hofers, auch das eine brave Familie nach dem Herzen von Würmeling.

Neue Etappe: das Münz-Fernsehen

Amerika ist für das Deutsche Fernsehen das „Hinterland“, was Programmideen, England das „Musterländle“, was Organisationsformen betrifft.

Funk

Nein, totzukriegen ist das Lied nicht, das viele Kommentatoren gefunden hat; „Liebeserklärung eines Kindes gegenüber seiner Mutter“ nennt es Professor Thielicke, „großmäuliges Gedicht“ nannte es Kurt Tucholsky.

Film

„Abschied in der Dämmerung“ (Japan; Verleih: Atlas): Yasujiro Ozu war bislang unbekannt bei uns. Daß uns jetzt als erste seiner Arbeiten „Ukigusa“ erreicht, ist deshalb ein doppelter Glücksfall.

Die Zukunft der Entwickelten: Holland

Konjunkturprognosen sind Sache des Temperamentes. Ein Choleriker gelangt in der Beurteilung des gleichen Tatsachenmaterials meist zu anderen Schlußfolgerungen als etwa ein Sanguiniker, obwohl beide nach größtmöglicher Objektivität streben.

Die Zukunft der Entwickelten: Österreich

Die Störungsfronten am internationalen Konjunkturhimmel haben Österreich erreicht. Die schon lange signalisierte Abschwächung der Marktlage ist eingetreten, und wenn auch von einem Konjunktureinbruch nicht die Rede sein kann, so erlebt man immerhin eine Konjunkturdifferenzierung, die ohne zielbewußte wirtschaftspolitische Gegenmaßnahmen krisenhaftes Ausmaß annehmen könnte.

Zeitraffer

Die Außenhandelsbilanz der Bundesrepublik wird in Jahr 1962 aller Voraussicht nach mit einem gegenüber dem Vorjahr verringerten Aktivsaldo abschließen.

Es grünt so grün...

Für Montagnachmittag – es war der 10. Dezember – war in der Bundeshauptstadt eine wichtige Sitzung anberaumt; sie fiel aus. Dr.

Unternehmen Mitbestimmung

Die Nationalökonomie geht in ihrer Lehre, ihren Modellbetrachtungen sowie in ihren Analysen der Wirklichkeit in der Regel nach wie vor davon aus, daß in einer Marktwirtschaft „der“ Unternehmer alle Entwicklungsprozesse einleitet, vorwärtstreibt und formt.

Das Schlimmste ist überstanden

Der Rückblick auf die Börsenentwicklung des Jahres 1962 ist für die Besitzer deutscher Aktien unerfreulich. In keinem Jahr nach der Währungsreform hat es so viele Enttäuschungen gegeben wie 1962.

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