ESSEN (Folkwang Museum):

„Polnische Malerei“

Daß die Kunst in Polen lebendiger, freiheitlicher, moderner ist als im übrigen Ostblock, daß sie nach dem Westen tendiert, hat man bisher aus manchen künstlerischen Randerscheinungen vermuten können. Polnische Plakate, Buchillustrationen, freie Graphik überhaupt hat man häufig im Westen gesehen und bewundert. Eine erste repräsentative Ausstellung „Polnische Malerei vom Ausgang des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart“ veranstaltet jetzt das Nationalmuseum in Warschau auf Einladung des Museums in Essen. Rund 80 Bilder und 70 Zeichnungen von 60 Künstlern hat Dr. Stefan Kozakiewicz, Kurator der Polnischen Galerie im Nationalmuseum, ausgewählt. Auf deutscher Seite war Dr. Köhn, der in diesen Tagen verstorbene langjährige Direktor des Museums Folkwang, beteiligt. Der eigentliche Anstoß für die Ausstellung kam von Berthold Beitz, der in Warschau bekanntlich nicht nur geschäftliche Besprechungen geführt hat. – Die polnische Malerei, über diese annähernd 70 Jahre hin, ist ein getreuer Spiegel der europäischen Entwicklung, mit allen einzelnen revolutionären Etappen. Es gibt Spätimpressionismus, Symbolismus, sogar den Jugendstil, Kubismus. Alle Richtungen sind dabei. In ihren abstrakten Bildern werden nicht bloß formale Probleme diskutiert, sondern Themen, untergründige Reminiszenzen. Alfred Lenica gestaltet in dem Gemälde „Zwischenräume in der Landschaft“ eine abstraktsurreale Höllenvision. – Die Ausstellung bleibt bis zum 3. Februar in Essen. Stuttgart, Karlsruhe und Bremen wollen sie übernehmen. Es wäre schön, und die Polen würden es sehr begrüßen, wenn auch noch andere deutsche Städte sich dazu entschließen, die Bilder aus Polen zu zeigen, g. s.