Einladung zum „Brunch“

Eines Morgens ist alles vorbei. Die Festtage sind verklungen, und man nimmt sich vor, spartanisch zu leben. Doch glaube man ja nicht, daß nach so üppigen Mahlzeiten kein Hunger mehr vorhanden sei. Völlige Illusion, Eßunlust kommt von wenig und weniger Essen, und je mehr man gegessen hat, desto mehr wird man wieder essen müssen.

Also gibt es einen Brunch. Das ist sprachlich eine Mischung von Breakfast und Lunch und kommt aus dem Amerikanischen. Muß ein Spaßvogel gewesen sein, der dieses Wort erfunden hat; wir leben in Abkürzungen, und die Sprachforscher werden sich – in 5000 Jahren, wenn Sand und Gras über unsere Zeit gewachsen sind – abmühen, NATOs, EFTAs, EWGs und so weiter zu entziffern.

Früher gab es das Gabelfrühstück. Ich denke, es wurde von Bismarck eingeführt, und der hatte es vermutlich wiederum von den Franzosen, die es déjeuner à la fourchette nannten, eine leichte Mahlzeit, die man auf der Gabel zu sich nahm. Sie war eine reine Männersache, die zwischen elf und zwölf stattfand und bei der vermutlich vertrauliche geschäftliche und politische Angelegenheiten besprochen wurden. Werner Höfers Sonntags-Frühschoppen im Fernsehen ist ein Spätling dieses Brauchs, auch wird dort nur Wein getrunken, und Geheimnisse scheint es nicht mehr zu geben. Das Gabelfrühstück hinderte aber einen Mann jener Zeit keinesfalls daran, um halb zwei noch ein Mittagessen einzunehmen.

Für uns ist der Brunch Frühstück und Mittagessen zur gleichen Zeit. Er spart uns das Geschirr von morgens und die Kocherei zu Mittag; die Jugend kommt frühzeitig auf den Sportplatz, und die Älteren haben Muße für Literatur und Spaziergänge. Hausangestellte – so man hat – sind frei. Heißhungrige, die nicht bis halb zwölf warten können, sollten einen Apfel essen oder ein Glas Fruchtsaft trinken.

Alles, was man zu servieren gedenkt, steht auf dem Tisch und auf einem Tischchen daneben, es darf keine Rennereien von und zu der Küche geben. Jedermann bedient sich selbst. Kaffee oder Tee, Milch, Rahm, Zucker, Marmelade, Honig, Würste, weichgekochte Eier. Es gibt keine starren Bruch-Regeln, verpönt sind lediglich Braten, Ragouts, Gemüse, Kartoffeln, Salate, Desserts.

Ein kleiner Trick