BERLIN (Theater am Kurfürstendamm): „Die Grotte“ von Jean Anouilh

Anouilhs jüngstes Stück, das deutschsprachig zuerst in Wien durch Axel von Ambesser inszeniert worden war, diente in Berlin Erwin Piscator als Anlaß, soziale Mißstände zu demonstrieren. Die Grotte“ wird von Herbert Pfeiffer („Berliner Morgenpost“) als Parodie bezeichnet. „Sie erreicht nicht Anouilhs sonstige Höhe; sie ist artistische Ausweglosigkeit gegenüber dem Stoff.“ Im Rahmen einer Simultanbühne (H. W. Lenneweit) leben unten, im Souterrain (das ist die Grotte), die Dienstboten, oben in der Beletage die gräflichen Herrschaften. „Piscator gibt das Pariser Bourgeoisie-Stück von 1900 und zugleich Hauptmanns ‚Ratten‘. Er will damit gleichnishaft in die Gegenwart vorstoßen, doch Anouilh läßt ihn dabei im Stich.“ Die Köchin ist ermordet worden. Der Täter wird gesucht. Ein Schauspieler tritt als Autor, auf, der das Stück mangels eines Einfalls nicht schreiben kann, der die Komödianten einzelne Szenen bald so, bald anders spielen läßt, der kommentiert und diskutiert – ein Pirandello-Effekt, obwohl der „Autor“ es bestreitet. „Piscator fehlte vor allem der Darsteller des Dichters ... Denn Dieter Borsche, um es deutlich zu sagen, gelingt die Selbstironie gar nicht.“ Für die Rolle der Köchin war Lucie Mannheim geholt worden. Sie „bestätigte auch hier ihre verhaltene, aber energische Natur ... Doch die Rolle ist in diesem Zusammenhang zu schmal für sie. Groß war Eva Christian als das Zimmermädchen, das von der Köchin zur Abtreibung gezwungen werden soll“. Die junge Rumänin spielte ihre erste deutsche Rolle. Die Inszenierung Piscators wurde stark kritisiert. „Ein beklagenswert schwacher Text wurde selten schwach und unbrauchbar nachgewiesen. Der Abend wird doppelt quälend“ („Die Welt“). Jac