Von Johannes Jacobi

Das Leserpublikum dürfte sich durch die Betriebsamkeit auf dem Theaterbuchmarkt allmählich verwirrt fühlen. Was da manchmal in einen Papp-oder Leinenband zusammengefügt erscheint, ist oft nur vom Zufall verfügbarer Verlagsrechte unter einen Deckel gebracht worden. Dankbar begrüßen Theaterfreunde, die das einzelne Stück im Zusammenhang begreifen möchten, sicherlich thematisch geordnete Anthologien. Am sinnvollsten erscheint jedoch, wo möglich, die Gesamtausgabe oder eine Auswahl von mehreren Stücken aus dem Oeuvre eines einzigen Autors. Eine der schätzenswertesten Ausgaben ist in dieser Hinsicht –

Jean Giraudoux: „Dramen“, herausgegeben von Otto F. Best und Jean Pierre Giraudoux; S. Fischer Verlag, Frankfurt; 2 Bände zu 544 S., je 27,– DM.

Durch Satz, Papier und Einband zählt diese Edition unter vergleichbaren zu den herstellerischen Musterleistungen. Sogar in Leder gebunden kann man Giraudoux kaufen – was hoffentlich nicht bedeutet, daß der brillante Poet in den Bücherschränken zu den Goldschnitt-Klassikern wandert. Giraudoux will gelesen werden. Die vierzehn hier vorgelegten Stücke haben sich auf der Bühne bewährt. Einige Nebenwerke wurden mit Fug und Recht ausgelassen.

Hoffentlich ist diese erste deutsche Giraudoux-Ausgabe noch nicht die letzte. Den beiden Bänden wurden zwar Anmerkungen über Erstveröffentlichungen und über die französischen und deutschsprachigen Premieren, auch einige Textvarianten beigegeben, für wissenschaftliche Zwecke könnte der Apparat jedoch reichhaltiger sein. Vordringlicher noch ist die weitere Arbeit am Wortlaut. Der deutsche Herausgeber verwendete bemerkenswerte Sorgfalt auf das leidige Übersetzungsproblem. Er benutzte bühnenübliche deutsche Texte, sondierte und redigierte sie jedoch und führte auch neuere ein, wo diese besser sind (so die Übertragungen von Robert Schnorr: „Amphitryon 38“, „Intermezzo“ und „Der Apoll von Bellac“). Bedenkt man nur den Generationsabstand von Hans Rothe, W. M. Treichlinger, Hans Feist und Annette Kolb einerseits und von Herbert Meier oder Robert Schnorr andererseits, so läßt sich ermessen, was für einen deutschen Giraudoux noch an einheitlichem Sprachgeist zu leisten wäre. Der Glücksfall für einen fremdsprachigen Dramatiker ist ein deutscher Nachdichter, wie ihn Lorca in Enrique Beck fand.

Gelesen wirken das Preziöse und die romantische Ironie Giraudoux’ noch immer wie Edelsteine. Wo indessen die Dinge mehr beredet als dargestellt werden, da bewirkt das Theater einen scharfen Ausleseprozeß. Die vorliegende Buchausgabe wird vorschnelle Abschreibungen verhindern helfen.

Der Beitrag Frankreichs zum Theater des zwanzigsten Jahrhunderts ist so zahlreich wie vielfältig. Deshalb wohl räumte der Langen-Müller-Verlag in der Reihe seiner sieben dramatischen Länder-Anthologien Frankreich nicht weniger als drei Bände ein. Als letzter erschien soeben