Die Bahama-Konferenz zerstörte die Illusion von der unabhängigen britischen Atommacht

Von Theo Sommer

Drei westliche Mächte haben während des Zweiten Weltkrieges gemeinsam an der Herstellung der Atombombe gearbeitet: die Vereinigten Staaten, Kanada und Großbritannien. Inzwischen sind die USA zum thermonuklearen Giganten geworden. Kanada hat auf ein eigenes Atomwaffenprogramm verzichtet. Großbritannien aber, das seinen nuklearen Ehrgeiz nicht begraben wollte, hat es dennoch nicht vermocht, eine wirklich unabhängige Abschreckungsmacht aufzubauen.

Zwar gelang den Briten 1952 die Explosion einer A-Bombe und 1957 die Erprobung einer H-Bombe, auch hat ihnen seitdem die Produktion von nuklearen Sprengköpfen keine Schwierigkeiten bereitet. Doch sind Sprengköpfe allein noch keine Abschreckung. Dazu gehört vor allem die Fähigkeit, diese Sprengköpfe wirksam ins gegnerische Ziel zu transportieren. Trägerwaffen aber – genauer: nicht Waffen, sondern Waffensysteme – herzustellen, verschlingt jedoch ungeheure Mittel und erfordert eine breite technologische Basis. An beidem, am Geld wie an dem nötigen wissenschaftlich-industriellen Unterbau, hat es den Engländern gefehlt.

Sie haben noch moderne Langstreckenbomber entwickeln können: die Mark-2-Version der Vulcan und Victor. Diese Bomber werden allerdings um die Mitte der sechziger Jahre veraltet sein; ihre Horste sind schon heute ungemein verwundbar. Die Entwicklung einer eigenen Raketenwaffe überstieg die Mittel und Möglichkeiten der Briten. So haben sie ihre Projekte eines nach dem anderen fallenlassen und sich an die Amerikaner um Hilfe wenden müssen. Die bedeutsamste Entscheidung fiel 1960, als die geplante britische Interkontinentalrekate Bitte Streak aufgegeben wurde, nachdem die Regierung 1,2 Milliarden Mark in deren Entwicklung investiert hatte.

Die fragwürdige Skybolt

Von da an gerieten die Engländer mehr und mehr in die Lage eines Mannes, der sich ein Fernsehgerät nicht leisten kann, aber doch aus Prestigegründen wenigstens eine TV-Antenne auf sein Dach setzen will – obwohl er sogar dafür jemanden anders bitten muß, sie gratis für ihn zu montieren. Um die Lebensdauer seiner 180 V-Bomber bis 1970 zu verlängern, hatte sich Großbritannien 1960 auf die amerikanische Skybolt-Rakete abonniert – eine Rakete von 1600 Kilometern Reichweite, die unter den Tragflächen der strategischen Bomber aufgehängt und im Fluge gestartet werden sollte, ehe die Flugzeuge in den Bereich der gegnerischen Luftabwehr gerieten. Die Engländer machten sich also von einer amerikanischen Rakete abhängig, die erst auf dem Reißbrett existierte, um sich ihre "unabhängige" Abschreckungsmacht zu erhalten.