Weil die Höflichkeit bei den Gästen und Kunden des Hotelgewerbes, der Geschäfte, der Fluglinien und der öffentlichen Dienste sehr zu wünschen übrig läßt“, beantwortete Herr Krull, der Präsident von „Service“, meine Frage nach dem Grund, warum diese große internationale Vereinigung kürzlich einen Höflichkeitspreis – eine kleine Statue, die den „unbekannten Gast“ in seiner typischen Wartehaltung darstellt – ausgesetzt hat.

„Aus allen Zweigen von Handel und Gewerbe werden wir mit Klagen überhäuft. Gäste und Kunden haben noch immer nicht Tugenden wie Geduld und Demut ausreichend kultiviert; immer noch glauben manche unter ihnen, Ansprüche stellen zu dürfen, Rechte zu haben. Einige gehen sogar hin und wieder so weit, sich bei den Direktionen von Hotels oder Fluggesellschaften zu beschweren! Gewiß, solche Erscheinungen gehören zu den Ausnahmen. Wenn sie sich aber ausbreiten sollten, dann bringt man uns noch eines Tages dazu, daß wir die Tabletts den Herrschaften vor die Füße knallen und ihnen: ‚Tun Sie’s doch selbst!‘ zurufen.“

Unserem Idealbild entspricht der Kunde und Gast, der nichts von uns will, der glücklich und dankbar für jede kleine Handreichung ist, der niemals murrt, über dessen Lippen kein Klagelaut kommt; der uns vielmehr immer wohlgelaunt und zufrieden gegenübertritt. Diese Leute haben gute Chancen, allerdings ist da ein Trick dabei.“

„Ein Trick?“

„Ja, den will ich Ihnen verraten. Die Spielbedingungen sind nicht überall gleich. Es gibt Terrains, wo den Kunden an Höflichkeit mehr abverlangt wird. Dazu gehören zum Beispiel die Postämter. Wer da ohne sich zu mucksen zusehen kann, wie vier junge Schalterbeamte sich bei geöffnetem Schalter ausgiebig über die sonntäglichen Fußballresultate unterhalten, während vor ihren Schaltern lange Schlangen warten, der hat sich zumindest die Plakette ‚Dem unbekannten Schaltersteher‘ verdient.“

„Offenbar gehören wir zum selben Postbezirk, Herr Krull.“

„Das glaube ich nicht. So was ist doch gang und gäbe. – Ganz ohne Chancen sind natürlich Gäste in Lokalen, die schon nach einer halben Stunde ihr Essen reklamieren oder das berühmte Haar in der Suppe finden oder sich beschweren, weil man ihnen statt der bestellten Hummer Langusten serviert hat.“