Die Familienseligkeit des Deutschen Fernsehens greift weiter um sich: Nach den Schölermanns und den Hesselbachs gibt es jetzt auch die Hofers, auch das eine brave Familie nach dem Herzen von Würmeling. Karl Oskar Wuttig, der diese neue Reihe des Senders Baden-Baden betreut, ist jedoch auf den nahezu genialen Einfall gekommen, der Popularität der vom benachbarten Frankfurter Sender ausgestrahlten Familien-Firma durch die Einführung von Tieren den Rang abzulaufen.

Die Konkurrenz verläßt sich ganz und gar auf gütige Eltern, unverständige Nachbarn und Kinder mit Liebeskummer; Hofers sind besser dran, denn immer wieder drängt sich ein krankes Tier auf die Bildröhre und verlangt gebieterisch teilnehmende Rührung. Dr. Hofer ist Tierarzt, und das gibt erwünschteste Gelegenheit zu veterinärmedizinischer Inspektion von lahmenden Rehkätzchen, fußkranken Raubvögeln, kalbendem Hornvieh und zerschnittenen Regenwürmern – womit sich denn alle etwa aufkommenden dramatischen Probleme von selber regeln.

Hesselbachs sind mit ihrem biederen Witz und ihrer parodistischen Normalerscheinung von geradezu Shakespeare’scher Lebenswahrheit gegenüber dieser zoologischen Rührseligkeit, mit der nun das Fernsehen das Problem gelöst hat, Marlitts und Courths-Mahlers Geist in zeitgenössischer Form für den Bildschirm der Wohlstandsgesellschaft zu adoptieren.

In sprachlich und intellektuell gehobener Form lebt auch Thornton Wilders Bilderbogen „Das lange Weihnachtsmahl“ vom puren Sentiment. Die dramatische Bagatelle, wohl für High School-Truppen geschrieben, lebt vom selben Einfall, der Wilders „Kleiner Stadt“ zu vorübergehender Berühmtheit verhalf – womit gesagt sein soll, daß auch hier der einfache Gang des menschlichen Lebens den Stoff eines Stückes ergibt. Wilder bezieht die Dramatik seines Sketches aus dem Begebnis des Alterns und dessen Tragik aus dem Vorkommnis des Todes. Die traurige Angelegenheit vermag deshalb nur vorübergehend zu fesseln. Nachdem man die allmähliche Dezimierung einer Familie durch den Ablauf der Zeit eine Weile beobachtet hat, läßt das Interesse spürbar nach.

Bernard Regniers ganz präsentables Lustspiel „Diamantenwirbel“ wurde unter der Regie Trude Kolmanns völlig ruiniert, da sie die auf ironische Unterspielung angelegte Sache mit Hilfe des völlig in die Irre geführten Hans Clarin breit und als Burleske statt als Groteske ausspielte.

Das Fernsehen machte eine Stippvisite bei der deutschen Erstaufführung von Anouilhs „Orchester“ in Wiesbaden. Es war den Herren anscheinend entgangen, daß diese anrüchige Lustbarkeit schon seit Monaten auf dem Spielplan der Berliner Städtischen Bühnen steht. lupus