DIE ZEIT

Nr. 1 vom l. Januar 1953: Baissen

Selten haben in einem Börsenjahr Hoffnungen und Enttäuschungen einander so schnell abgewechselt wie 1952. Seitdem noch im Februar die absolut höchsten Kurse nach der Währungsreform von den Tafeln abgelesen werden konnten, befand man sich im März schon inmitten einer Baisse, die der vorangegangenen mehrmonatigen Aufwärtsbewegung nicht nur die Spitzen nahm, sondern darüberhinaus auch einen echten Rückschlag brachte, von dem sich einige Papiere nicht mehr so recht erholt haben.

Ein anderer Sinn, eine andere Form

Gewiß, ursprünglich sollte es ein repräsentatives Aushängeschild sein, eine solide und schmucke Visitenkarte, attraktiv vor allem für die westlichen und für die nicht kommunistischen Intellektuellen.

Kleiner Kunstkalender

66 Werke von 26 Bildhauern italienische Plastik heute. Die internationale Prominenz ist dabei: Marini mit einem frühen weiblichen Akt, Manzü mit einem Kruzifixus und einer weiblichen Figur, Lardera mit einer strengen Eisen- und Stahlkonstruktion, Consacra mit einer flatternden, ausgefransten Bronzewand („Traum des Eremiten“), die Brüder Pomodoro.

Zeitfragen

Nerz ist kein Pelz wie jeder andere. Sondern ein Symbol. Die Erkennungsmarke der Wirtschaftswunderkinder. Oft kabarettistisch durchkämmt und meist mit schärferen als Mottenkugeln auch in Schwabing beschossen.

Zeitmosaik

Der Atlas-Verleih ergriff auf lobenswerte Weise die Initiative. Er will demnächst ein abendfüllendes Programm von Kurzfilmen der Anti-Disney-Schule zusammenstellen.

Wolfgang Ebert:: Unsere Silvester-Party

Unsere Silvester-Party beginnt meist schon Anfang Dezember. Da fällen wir gewöhnlich die Entscheidung, auch in diesem Jahr keine Silvester-Party zu veranstalten.

Bauwerke kritisch betrachtet (10): Hauseingänge und Nebenwege

Ein Wohnhochhaus, eine Privatvilla, eine Reihenhaussiedlung, ein Wohnhaus im Heimatstil, ein Atriumhaus, ein Verwaltungsgebäude, ein Bürogebäude, ein Hotel und eine Schule – das waren in den vergangenen neun Wochen die Gegenstände unserer kritischen Betrachtungen zu modernen deutschen Bauwerken.

Akustische Allegorien

Während die Bühnen vergebens nach einem theaterwirksamen deutschen Drama schmachten, floriert das Hörspiel. Autoren, die keinen Fuß auf die weltbedeutenden Bretter gesetzt haben, lieferten akustisch haltbare Ware, begriffen und nutzten das „Funkische“.

Unser Seller-Teller Dezember 1962

Der letzte Seller-Teller des Jahres, die Bilanz des Weihnachtsgeschäftes, bringt natürlich keine Sensation: Bewährtes bleibt erhalten, die Mischung ist friedlich, Kontinuitäten werden gewahrt, Mehnert ist immer noch da.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT dreihundert Antworten auf Fragen wie „Warum hat das Zebra Streifen?“, „Was sind Wolken?“, „Wie kann eine Fliege an der Decke laufen?“, aber auch zeitgemäßer „Was ist ein Satellit?“, „Wie arbeitet ein Raketenantrieb?“ und „Woher kam der Mond?“, dazu großflächige Illustrationen und ein Sachregister.

Überall ist Polen

1832: Halb Frankfurt ist ganz verrückt wegen dieser Polen. Du würdest die Stadt nicht wiedererkennen, teilt Suleika ihrem Freund Goethe mit.

Kölsche Gastlichkeit

Daß die Kölner nicht nur selber zu leben wissen, sondern auch andere leben lassen, wurde in der vergangenen Woche offenbar: Für zwanzigtausend Mark kauften die Stadtväter den Kölner Zigeunern zwölf bequeme Eisenbahn-Waggons.

Die Göttinger Methode

Die Georgia-Augusta in Göttingen feierte unlängst ihren 225. Geburtstag. Ministerpräsident Diederichs und Seine Magnifizenz Professor Scheibe hatten nach alter Sitte einen Fackelzug gewünscht.

Agenten mit neuem Trick

Spionage, Sabotage und politische Zersetzung in der Bundesrepublik gehören zum Aufgabenbereich des Ministeriums für Staatssicherheit in Ostberlin.

Intim auf der Sitzkoje

Schon Adam und Eva mußten im Paradies das Gefühl der Scham kennenlernen. Sie leisteten ihm Genüge durch ein Minimum an Bekleidung.

Die Affäre Dreyfus

Für Dreyfus, der auf der Teufelsinsel in mörderischem Klima, häufig in Ketten gelegt, seine Strafe auf unmenschliche Weise verbüßen mußte, trat zwei, drei Jahre lang nach seinem Prozeß in der Öffentlichkeit niemand ein.

Verräterische Sprache

Bauchredner Shari Lewis, Amerikas Star unter den Ventriloquisten, der es meisterhaft versteht, seine Puppen mit den verschiedensten Stimmen, Artikulationen und Akzenten sprechen zu lassen, war recht enttäuscht, als ihm die Akustiker der Bell Telephone Company kürzlich schwarz auf weiß nachweisen konnten, daß er zwar sein Publikum, nicht aber den „Voice Printer“, ein elektronisches Stimmaufzeichnungsgerät, täuschen kann.

Auf takt zur Mondreise

In diesem Frühjahr soll das Mercury-Programm der US-Raumfahrtbehörde mit einem 18-Runden-Flug des Astronauten Gordon Cooper abgeschlossen werden.

Nahrhaftes Petroleum

An dem für die menschliche Ernährung wichtigen tierischen Eiweiß herrscht auf der Erde bereits Mangel. Ihm wirksam zu begegnen, ist vor allem deshalb so schwierig, weil man bei der Schlachtviehaufzucht von pflanzlichen Futtermitteln, mithin also von den begrenzten landwirtschaftlich nutzbaren Flächen der Erde, von klimatischen Verhältnissen, Düngemittel- und Wasservorräten abhängig ist.

ZEIT-Berichte aus der Forschung

Die Gedanken verwirren sich, die Konzentrationsfähigkeit nimmt rapide ab, Raum- und Zeitgefühl gehen verloren, wenn die Sinnesorgane des Menschen nicht mehr erregt werden.

Markt oder Tempel?

Am 1. Januar vor 100 Jahren wurde Pierre de Coubertin, der Schöpfer der modernen Olympischen Spiele, geboren. Normannische Abenteurer waren unter seinen Ahnen, auch Kammerherren des Königs von Frankreich.

Jubel und Jammer der Skispringer

Die Kraft entschied in Oberstdorf – Undurchsichtiges neues Punktsystem – Der große Wettkampf durfte nicht stattfinden

Winterkur in Bad Wiessee

Am 28. Januar eröffnet Bad Wiessee am Tegernsee seine Heilinstitute für die Winterkur.......................................

Sonderreisen zum Eiskunstlauf

Das Deutsche Reisebüro (DER) veranstaltet zu den Kämpfen um die Europameisterschaft im Eiskunstlauf in Budapest (5. bis 10. Februar 1963) eine Eisenbahn-Gruppenreise.

Reisespiegel

Allmählich scheint auch die Sowjetzone zu ahnen, daß mit Touristen Geld zu machen ist. kürzlich hat das Ostberliner Reisebüro das Osttourist-Reisebüro in der Bundesrepublik gebeten, leisen in die Sowjetzone in ihre Prospekte aufzunehmen; die Erteilung von Visa dauere etwa acht Wochen.

Heizungszuschlag für ein kaltes Zimmer

Zu Heinz D. Stuckmanns Reportage „Als Gast in deutschen Hotels“ (ZEIT Nr. 46, 49, 31) haben uns zahlreiche, ausnahmslos zustimmende und bekräftigende Briefe erreicht, von denen wir nur einige veröffentlichen konnten.

Waldvogel-Therapie

„Unsere Erfahrungen sind, speziell in Ihrem Fall, folgende: Ihre Beschwerden werden sich in den ersten acht Tagen verstärken, und es ist sinnlos, dagegen therapeutisch etwas zu unternehmen.

Notizen für Reisende

Die französischen Staatsbahnen vermitteln neuerdings in Paris Leihwagen auch mit Fahrer. Die Preise für die Innenstadt und die Vororte sind nach Zonen gestaffelt.

Hellas-Hausse

Griechenland ist eine Goldgrube. – nicht nur für die Griechen, auch für unternehmende Ausländer. „Eine Gruppe von Geldgebern, aus England“, so berichten die „Hellenews“, interessiere sich für den Bau von Hotelanlagen mit 750 Betten auf den Inseln Kos und Leros.

Theater

Dieses Stück ist vom Norddeutschen Rundfunk für das Fernsehen in Auftrag gegeben worden. Großmütig blieb die „Uraufführung“ dem Kölner Theater vorbehalten, weil Oscar Fritz Schuh 1954 den Dramatiker Hubalek in Berlin entdeckt hatte („Der Hauptmann und sein Held“).

„Tristram Shandy“

Etwas ängstlich wartete man, was daraus werden sollte: Das Dritte Programm des NDR und des Senders Freies Berlin hatten angekündigt, Werner Finck werde auf seine Weise nach und nach den nur leicht gekürzten Tristram Shandy von Laurence Sterne lesen.

Film

„Harold Lloyd – Selten so gelacht“ (USA; Verleih: Columbia): Während Charlie Chaplin und Buster Keaton, die beiden anderen Meister der Slapstick-Komödie, es über die Situationskomik hinaus verstanden haben, aus der Tücke-des-Objekts-Sparte eine Kunst zu machen, bleibt Harold Lloyd an der Oberfläche.

Ein lautloser Aufstand

Mit seinem Film „Muriel“ wendet sich Alain Resnais \ Von den Abstraktionen zur Wirklichkeit

Wohin steuert der Handel?

Bis vor kurzem brauchte ich von meiner Wohnung noch keine fünfzig Schritt zu gehen, um kleine Vergeßlichkeiten beim Einkauf in der Stadt wieder gutzumachen.

Eine EZU für den Ostblock

In Bukarest tagte kurz vor Weihnachten das COMECON, die „Wirtschaftsgemeinschaft des Ostens“. Seit dreizehn Jahren müht man sich hinter dem Eisernen Vorhang um eine Integration der kommunistischen Volkswirtschaften – allerdings mit bescheidenem Erfolg.

Zeitungen fürchten Ruin

Seit dem 8. Dezember ist die Achteinhalb-Millionenstadt New York ohne Tageszeitungen. Eine Weltstadt, die täglich 5,7 Millionen Zeitungen konsumiert, muß sich mit ein paar Provinzblättern begnügen, die selbst im Verein mit dem Radio und dem Fernsehapparat nicht den Appetit des nachrichtenhungrigen New Yorkers zu stillen vermögen.

Ohne die Börse gibt es keine Prosperität

Das Jahr 1962 ist für die Besitzer französischer Aktien nicht ungünstig verlaufen. Das Kursniveau hielt sich zu Ende des Jahres in etwa auf der Basis, von der es im Januar 1962 ausgegangen war.

Der Leser schreibt...

Nur ist zu Ihren Ausführungen zu bemerken, daß Prämien an Gehilfen für verkaufte Ladenhüter nicht die Regel sind. Es ist buchhändlerisch und kaufmännisch primitiv und unklug, das Vertrauen der Kunden durch den forcierten Verkauf von Ladenhütern zu untergraben.

Zeitraffer

Auf etwa zwei Millionen schätzt das Meinungsforschungsinstitut DIVO in Frankfurt die Zahl der Wertpapierbesitzer in der Bundesrepublik.

Ein Stahlwerk für Moskau

Eine österreichische Delegation, die seit längerer Zeit in Moskau über den Bau eines Blasstahlwerkes verhandelt hat, ist soeben zurückgekehrt und meldet einen erfolgreichen Vertragsabschluß.

„Dinamo“ macht’s möglich

Nur sehr zögernd und sehr langsam regen sich im Ostblock die Tendenzen, das orthodoxe System zentraler Planwirtschaft abzuwandeln.

Unternehmen Mitbestimmung

In Unternehmen mit einfacher Mitbestimmung, Unternehmen also, die ausschließlich dem Betriebsverfassungsgesetz unterliegen, ist der Einfluß der Arbeitnehmer Vertreter im Aufsichtsrat erheblich geringer, da den Vertretern der Arbeitnehmer hier nur ein Drittel der Mandate vorbehalten ist.

+ Weitere Artikel anzeigen