Funk

Johannes Hendrichs jüngstes Hörspiel behandelt eine der unauffälligen Tragödien, wie sie heutzutage zu Tausenden geschehen.

Die alte Frau Seip stürzt sich eines Abends aus Verzweiflung über ihre Einsamkeit in den Kanal. Ein junger Kranführer rettet sie. Aus verständlicher, aber dennoch lästiger Anhänglichkeit besorgt sie nun seinen Haushalt und wohnt bei ihm. Kranführer Uhse wagt nicht, sie fortzuschicken, da er einen erneuten Selbstmordversuch befürchtet. Dies wiederum führt zum Zerwürfnis mit seiner Freundin, die solche Rücksichtnahme von ihm bisher noch nicht erfahren hat und fühlt, daß Frau Seip sich zwischen beide drängt.

Uhses Kameraden foppen ihn anfangs, dann meiden sie ihn, weil sein Verhalten auch ihnen allmählich unverständlich wird. Dem jungen Uhse wird der Zustand auf die Dauer ebenfalls lästig. Er empfiehlt der Alten, seine Wohnung zu verlassen. Sie verliert dabei den letzten Halt. Sie springt abermals ins Wasser – diesmal stirbt sie.

Es ist beängstigend mitzuerleben, wie die Alltäglichkeiten in das Verderben ziehen – eine überaus aktuelle Spielart der Tragödie. Die Sprecher unter Fritz Schröder-Jahns Regie überzeugten in allen Nuancen. H. K.