Worauf gründet Plaut seinen Optimismus? Er hat innerbetrieblich stark rationalisiert und manche Kostenfaktoren beseitigt. Zuletzt den verlustbringenden Ausweichbetrieb in Neumünster, in dem 180 Arbeitskräfte beschäftigt wurden. Plaut hat noch einmal stark investieren lassender hat Maschinen angeschafft, die zu den modernsten auf dem Spinnereisektor gehören. Mit ihnen kann man schneller spinnen, außerdem haben sie größere Spulen, wodurch Arbeitskräfte gespart werden. Einige Aussichten bestehen überdies, daß der Kostenvorsprung, den die Franzosen und Holländer auf dem deutschen Markt (durch steuerliche Verzerrungen) zur Zeit haben, allmählich abgebaut wird. Wichtig ist daneben die stärkere Wendung in Richtunglauf die Herstellung von Handstrickgarn, dessen Absatz als recht günstig beurteilt wird. (Das Fernsehen verleitet die Hausfrauen zum Stricken!)

Plauts Argumente zum Weiterspinnen sind nicht von der Hand zu weisen, auch von dem nicht, der die „Anfangserfolge“ noch mit Skepsis beurteilt. 1962 ist eine 20prozentige Umsatzsteigerung erzielt worden. Hier scheinen aber gewisse Preismaßnahmen etwas nachgeholfen zu haben, so daß die Umsätze wahrscheinlich schneller gestiegen sind als die Erträge. Erfreulich ist, daß in den letzten vier Monaten mit Gewinn gearbeitet worden ist. Man kann nur hoffen, daß diese Tendenz anhält, denn es muß berücksichtigt werden, daß die letzten Monate eines Kalenderjahres saisonbedingt immer günstiger liegen als jeweils das erste Halbjahr.

Und noch etwas Zukunftsmusik! Tittel & Krüger verfügt über genügend Platz, um sich ausdehnen zu können. Nun denkt man in diesem Zusammenhang jedoch nicht daran, die Kapazität zu erweitern und das Produktionsprogramm vertikal zu ergänzen. Vielmehr will man die Möglichkeiten für Zusammenschlüsse mit anderen Unternehmen oder für eine Angliederung passender Betriebe offenhalten. Die Finanzkraft dafü. ist vorhanden. Tatsache ist, daß wir in den kommenden Jahren in der deutschen Wirtschaft mit gewaltigen Konzentrationen rechnen müssen. Nur wenn wir entsprechende Betriebsgrößen schaffen, können wir im EWG-Raum bestehen.

Was geschieht aber nun, wenn der neue Anlauf bei Tittel & Krüger in Richtung auf die Rentabilität mißlingt? Ich glaube, meine verehrten Leser, dann können wir ziemlich sicher sein, daß die Dresdner Bank nicht zögern wird, als Hauptaktionär harte Konsequenzen zu ziehen. Sie wird am wenigsten Lust haben, an dem Unternehmen Geld zu verlieren. Und schließlich trägt sie, die ja praktisch allein die Geschicke der Gesellschaft nach dem Krieg bestimmt hat, gegenüber ihren Mitaktionären auch ein hohes Maß an Verantwortung. In Sanierungen hat die Dresdner Bank überdies einige Erfolge, denn schließlich hat sie ja auch die Vereinigte Jute-Spinnereien und Webereien AG, Hamburg, wieder auf eine vernünftige Bahn gebracht.

Bis zur nächsten Woche! Ihr Securius

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Die Metropole-Bank Ritterhaus, Becker u. Co (Frankfurt/M.), die Anfang Januar 1961 ihren Sitz von Köln nach Frankfurt/M. verlegte, hat zum Jahresende 1962 das Kapital um weitere 2 Mill. DM auf insgesamt 5 Mill. DM erhöht. Die Stärkung der Eigenmittel der Bank wurde durch die Ausweitung des Geschäftes notwendig. Die Bank, die sich ausschließlich mit dem kommerziellen Bankgeschäft befaßt, wurde im April 1960 in Köln gegründet. Maßgeblich an ihr beteiligt ist Konsul Walter Gerling (Köln), stellv. Vorsitzender des Vorstandes des Gerling-Konzerns, Köln.

Bundesminister a. D. Dr. V. E. Preusker, geschäftsführender Gesellschafter des Bankhauses Hardy & Co GmbH, Frankfurt/Main / Berlin schied am Jahresende in freundschaftlichem Einvernehmen aus dem Bankhaus aus. Er beabsichtigt, im Frühjahr 1963 ein eigenes Bankgeschäft in Bonn zu errichten.