Alfred Kruse: Nichts ist so praktisch wie Theorie

Der Leser könnte aus Professor Kruses Beitrag die Meinung gewinnen, die sogenannte Grenznutzenschule bzw. subjektive Wertlehre sei – worauf der Verfasser wohl hinaus will – völlig steril gewesen und habe die Nationalökonomie in eine Sackgasse geführt. In Wirklichkeit hat die Grenznutzenschule der Theorie in der deutschen Wissenschaft eine Heimstatt geboten zu einer Zeit, da im Reich die Wissenschaft sich in Monographien und Beschreibungen zu verflüchtigen und die Verbindung zu den theoretischen Grundlagen der Volkswirtschaftslehre verlorenzugehen drohte. Insoweit bleibt – historisch gesehen – das Verdienst der Wiener Schule (denn hier war ihr Ausgangspunkt) um so größer, als gleichzeitig auch in den anderen Bereichen der westlichen Welt (Frankreich, Schweiz, England, Italien, Holland, Schweden und USA) ähnliche Gedankengänge bzw. Lehrmeinungen zutage traten. Sie waren aber auch praktisch nicht so unfruchtbar, wie es nach den Ausführungen des Verfassers scheinen könnte, und haben vor allem durch scharfsinnige Analysen auf den Gebieten von Kapital, Produktivität, der Zins-, Geld- und Kreditlehre sowie des internationalen Handels und der Finanzwissenschaft, Bahnbrechendes und zeitlos Gültiges geleistet. Dr. Leopold Köhler, Nürnberg