Mitten auf dem Feld: eine Schule für drei Dörfer

Landau i. d. Pfalz

Dem Sekretär Braun vom Bürgermeisteramt in Freimersheim, einem Dörfchen in der Südpfalz, ist die Frage nach der Dorfschule peinlich. "Es ist eine Schande", stöhnt er. "Von außen sieht es aus wie ein Zuchthaus." Die Schande ist im selben Hause zu besichtigen. Denn Bürgermeisteramt und Volksschule logieren in Freimersheim unter einem Dach. Die VI Kinder der zweiklassigen Schule dürfen jedoch nur noch den im Erdgeschoß gelegenen Schulsaal betreten. Der zweite Raum im ersten Stock ist seit dem 25. Januar 1962 wegen Einsturzgefahr geschlossen.

Der Lehrer August Christmann hat den Schreck heute noch nicht vergessen. Während des Unterrichts am Morgen bemerkte seine Kollegin, die die ersten vier Klassen im Erdgeschoß unterrichtete, ein seltsames Zittern im Gemäuer. Das Gebälk knisterte, der Kalk rieselte von den Wänden, und ein Stück der Decke bröckelte hinterher. Schüler wurden nicht verletzt, aber der damalige Bürgermeister Weigel warnte: "Mit dem Leben der Kinder darf nicht gespielt werden."

Er rief die Baupolizei vom Landauer Landratsamt herbei. Die letzten Zweifel der Beamten an der Baufälligkeit des zweihundert Jahre alten Schultraktes wurden beseitigt, als das Taschenmesser des Baurates bei der Untersuchung des Gebälks im Holz verschwand. Man konstatierte die Einsturzgefahr des Dachstuhls und der nördlichen Giebelwand. Das Gebäude wurde von der Baupolizei "verworfen". Aber da keine anderen Räume zur Verfügung standen, wurde lediglich der Schulraum im ersten Stock geschlossen. Die Nordwand wurde mit massiven Balken abgestützt, die Fenster durch Kreuzbalken abgesichert. Die beiden Lehrer unterrichten ihre Klassen seitdem abwechselnd vormittags und nachmittags im unteren Schulraum. Auch der Schulhof ist wegen Einsturzgefahr gesperrt. Da sonst kein Platz mehr zu finden war, erteilt der evangelische Pfarrer den Religionsunterricht im Gemeindesaal, der katholische Geistliche bei der Lehrerin in der Privatwohnung.

Die Meinung der Freimersheimer Bauern zu dem Schulnotstand ist einhellig: "Soweit hätte es gar nicht zu kommen brauchen, wenn wir schon vorher hätten bauen dürfen." Schon vor Jahren hatten sie der Bezirksregierung in Neustadt an der Weinstraße und dem rheinland-pfälzischen Kultusministerium in Mainz Pläne für einen Schulhausneubau vorgelegt, dessen Kosten sich auf 300 000 Mark beliefen. In Mainz wurde dieses Projekt jedoch aufgeschoben, mit der Begründung, sobald sich auch die Nachbargemeinden Böbingen und Altdorf am Schulbau beteiligten, erhielten die drei Gemeinden eine "Muster-Verbandsschule", deren Zuschüsse erheblich seien.

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