Klaus Mehnert: "Peking und Moskau"

Unser heutiger "Kritischer Querschnitt" ist insofern ein Kuriosum, als man zwar notfalls noch von Querschnitt reden könnte, differenzierte Kritik diesmal aber mehr denn sonst vermissen muß. Klaus Mehnerts drittes Buch ist wie die Vorgänger – "Asien, Moskau und wir", "Der Sowjetmensch" – ein großer Erfolg geworden. Einhelliges Lob wurde ihm gezollt. Diese Helligkeit ist ein wenig peinlich, denn die Stimmen erklangen derart unisono, daß man befürchten muß: einer großen Gruppe von Kritikern ist nicht viel eigenes eingefallen. Eine zweite Gruppe bemühte sich um simplifizierte Paraphrasen der von Mehnert geschilderten Zusammenhänge, um – in vielen Fällen – flugs Propaganda zu betreiben oder Appelle zu formulieren. Die originalen Rezensionen lassen sich an einer Hand abzählen. Die Abschreiber verraten sich selbst. Ein Stück Waschzettel sei noch als Lesehilfe zitiert: "... Aber Mehnert verliert sich nicht in die beliebte Spekulation über die russische Seele’ oder das geheimnisvolle China’, sondern er baut mit sicherer Hand aus der Fülle unbestreitbarer Fakten die gute Grundlage, auf der die folgenden Teile des Buches ruhen ... Eine wissenschaftliche Arbeit, die sich wie ein Roman liest."

ALFRED COULIN in den STUTTGARTER NACHRICHTEN am 7. Juli 1962:

Streng sachlich und wissenschaftlich ist das Werk, wofür nicht nur die zahlreichen Hinweise, Literaturangaben und so weiter zeugen. Gerade wegen dieser Sachlichkeit aber ist das Buch von einer ungeheuren Spannung getragen, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite festhält und ihn am Schluß beinahe mit einem Aufatmen feststellen läßt, daß entgegen der landläufig verbreiteten Meinung weder Sowjetrußland noch Rotchina, weder die Russen noch die Chinesen, noch ihr Verhältnis zueinander rätselhaft sind.

HEINRICH BECHTOLDT in der STUTTGARTER ZEITUNG am 13. Juli 1962:

Mehnert überschreitet an keiner Stelle seines Buches jene Grenze, wo das Spekulieren anfängt. Fragen, auf die es keine Antworten geben kann, bleiben ehrlicherweise offen. Und deshalb läßt sich Mehnert auch am Schluß seines Buches nicht zu Prognosen verführen – nur zu der einen: daß die Beziehungen zwischen Moskau und Peking wohl niemals mehr problemlos sein werden. In vollkommener Beherrschung des Materials und der Materie holt seine Analyse die letzten Möglichkeiten der Erkenntnis und der Folgerung heraus. Er bleibt nirgends die Beweise schuldig.

GERHARD SCHEIDE in den AACHENER NACHRICHTEN am 30. Juli 1962: