Es wird sich wohl nicht mehr beweisen lassen – obwohl der Verdacht naheliegt –, daß Curzio Malapartes weiland aufregender Roman "Die Haut" schuld daran war, als plötzlich auf dem literarischen Markt die Haut Metapher wurde.

Erinnern wir uns: Da gab es plötzlich Bücher oder Themen, die "auf der Haut brannten", Literatur- (und natürlich erst recht Film-) Werke, die sich als "hautnah" ausgaben – und im außerliterarischen Gefolge hatte sie jene Damenbekleidung, die das verlockende Attribut "hauteng" bekam.

Ein leichter oder auch penetranter Hauch des Anstößigen ging von dieser Werbefloskel aus – sollte wohl auch davon ausgehen, denn der Abendländer, der als gesellschaftliches Wesen stets hautverleugnend, nämlich korrekt gekleidet auftritt, wurde mit diesen Lockwörtern sozusagen in seinem sogenannten Intimbereich, unter Frack und Smoking, sogar unter dem Pyjama angerührt.

Die werblich strapazierte Haut erwies sich als die natürliche Schwester der Gänsehaut, die sich auf dem moralischen corpus des Gesitteten aufrichten sollte.

Man gab sich – Werbung strebt immer nach dem Komparativ – nicht lange mit dem zufrieden, was an die Haut ging, sondern wurde subkutan und versteifte sich bald auf das unter die Haut Dringende. Dorthin, unter die Haut, mußten nun Filme und Bücher, sollten sie noch Gänsehaut auslösen werbend schritt man zur Unterwanderung unserer Oberfläche.

Verständlich, daß Unternehmen von Seriosität und Reputierlichkeit, die bei solchen Direktheiten nicht mitmachen wollten, nach Wegen suchten, dennoch von diesem neuen Rahm etwas für sich abzuschöpfen.

Und was tut der Deutsche, wenn er nicht ganz Stubenreines trotzdem als salonfähig ausgeben will? Er greift zu den Fremdwörtern, die Glücksache sind. So las man’s neulich auf dem Klappentext eines Verlags (Hanser), der nicht Tatsachenberichte und obscoenica bringt, sondern Klassiker und Belletristiker: