Die Woche stand im Zeichen der Jahrestage von 1933 und 1943.

Den Auftakt, die Vorgeschichte des Dritten Reiches, reproduzierte eine Gemeinschaftsarbeit des Westdeutschen und des Süddeutschen Rundfunks (Redaktion: Huber, Müller, Ruge; Wissenschaftliche Beratung: Professor Besson) unter dem Titel "Wie es dazu kam". Die um Objektivität bemühte Dokumentarsendung hinterließ die zwiespältigen Empfindungen, die sich bei dergleichen Galoppritten durch die Geschichte stets einstellen. Das bezieht sich auf ausgelassene Sachzusammenhänge (Papens preußischer Staatsstreich wurde nicht einmal erwähnt), auf völlig unbefriedigende Stegreifcharakterisierungen Noskes oder Seeckts, auf die Prononcierung des politisch völlig irrelevanten Kapp-Putsches bei gleichzeitigem Nichterwähnen des Münchener und des Thüringer Putsches und selbst auf historische Streiflichter wie ein aus dem Zusammenhang gerissenes und daher falsches Bismarck-Zitat und das simplifizierte Porträt Friedrich Wilhelms IV.

An den folgenden beiden Tagen dann die Endphase der damals eingeleiteten Bewegung: die militärische Niederlage, die zugleich auch das politische und moralische Debakel war. Hamburgs Fernsehchef Egon Monk, einst Lieblings-Assistent Brechts, war in die Maske der alten landesfürstlichen Opern-Intendanten geschlüpft und hatte Claus Hubalek eine Spielfassung des Plievierschen Stalingrad-Romanes herstellen lassen.

Hubalek, einst auch ein Assistent Brechts, ist der Sache nicht gewachsen gewesen. Er hatte weder eine politisch-geistige Konzeption noch die nötige formale und sprachliche Kraft. Es wird bis zur letzten Szene nicht deutlich, woher seine Trauer und Empörung kommen. Aus der blutigen Tatsache des Krieges, aus Verzweiflung über das Massenmorden? Aber er schiebt Passagen ein, in denen mit der militärisch-strategischen Zwecklosigkeit dieser bestimmten Schlacht gehadert wird, und nun sieht es aus, als ob einem operativ "vernünftigen" Stalingrad das Entsetzen Hubaleks in geringerem Maße gelten würde. Im Fortgang dann und die zweite Hälfte immer deutlicher bestimmend, tritt das politisch-ethische Moment in den Vordergrund: Stalingrad sozusagen als Vergeltung für Terror und Juden-Ausrottung.

Aber der Bundeswehrsoldat, der diesen Untergang seiner Traditionsarmee vor dem Bildschirm erlebt, weiß nun gar nicht mehr, wozu er mit den Mitteln des Dramatikers aufgerufen wird. Zum Haß gegen jeden Krieg? Zur Verhinderung dilettantischer Vernichtungsschlachten? Zur Revolte gegen verbrecherische Staatsführungen? Hubalek läßt das alles offen, und manche Details sprechen dafür, daß er sich über solche Differenzierungen auch nicht viel Kopfzerbrechen gemacht hat.

Hubalek konnte natürlich das menschliche Drama geben und alles andere dahingestellt sein lassen. Aber er will über dieses Drama räsonnieren, wobei die Sekundärfrage immer wichtiger wird, ob die Generäle ein Recht zum Überleben hatten. Hubalek merkt nicht, daß dies fast wörtlich die Argumentation Hitlers ist, der nach dem Untergang von Stalingrad die Marine feierte, in der es längst zur Tradition geworden sei, daß die Kommandanten mit ihren Schiffen untergehen. Er ist der intellektuellen Aufarbeitung von Stalingrad in keiner Hinsicht gewachsen.

Auch nicht in literarischem Sinne. Plieviers Buch schon ist, seiner Zwitternatur zwischen Reportage und Dichtung wegen, merklich gealtert; aber es zieht seine Lebenskraft aus seiner Nähe zum Dokumentarischen. Hubalek hat diese mit literarischen Mitteln hergestellte Authentizität des Romans fast völlig aufgegeben. Er will keine Szenen nach einem Roman, sondern Dichtung, und so arrangiert er die aus dem Material lebende Sprach- und Formlosigkeit seiner Vorlage mit den Stilmitteln seines Lehrers Brecht.