Von Uwe Netfeibeck

Man hatte wieder einmal keinen Aufwand gescheut, an Komparserie alles Erdenkliche aufgeboten: ein Triumvirat von Regisseuren – John Ford, George Marshall, Henry Hathaway – und ein gutes Dutzend Stars gewonnen, um die Brauchbarkeit und Publikumswirkung des Cinerama-Verfahrens zu erweisen. Es kam allerlei dabei heraus: ein bis auf Kinderkrankheiten gelungenes Kino-Spektakel vor allem, zehn Meter hoch und vierundzwanzig breit. Obendrein sollten aber "alle Geschichten des Wilden Westens noch einmal" erzählt werden, nur besser, großartiger und prächtiger als jemals zuvor.

Daraus wurde nichts. Es entstand lediglich ein ansehnlicher Katalog, der zwar Szenerien, Figuren und Handlungsschemata des Genres nahezu vollständig umfaßt, aber wenig mit dem Wildwestfilm als Kunst (und das kann er sein) gemein hat.

So liefert "Das war der Wilde Westen" eigentlich nur den Anlaß, Filmen nachzutrauern, die hierzulande – von High Noon und einzelnen Enthusiasten abgesehen – nie die verdiente Anerkennung gefunden haben. Anderswo als cinéma par excellence gefeiert, fristet bei uns der Wildwestfilm ein kümmerliches und obskures Dasein: in der Nachtvorstellung, zum Schund degradiert, leichthin zur Wurzel allerlei Übels erklärt.

Es gibt wenige Meister des Western – fast alle sind sie heute ältere Herren – und dementsprechend wenige Meisterwerke. Einige aber verdienen die dubiose Bezeichnung klassisch, ein ehrenvoller Vergleich sei frischweg gewagt, wie etwa die Filme Buñuels oder Eisensteins. Sie sollen hier genannt werden:

John Ford: Stagecoach (Höllenfahrt nach Santa Fé); My Darling Clementine (Faustrecht der Prärie)

Anthony Mann: Bend of the River (Meuterei am Schlangenfluß)