HAMBURG (Altonaer Museum):

"Altonaer Fayencen"

In der Fachliteratur sind sie unbekannt. Kein Museumsmann, kein Sammler norddeutscher Fayencen, kein versierter Kunsthändler weiß oder wußte bisher von ihrer Existenz. Man kennt andere Manufakturen in Schleswig-Holstein, die im 18. Jahrhundert Fayencen fabrizierten, Kellinghusen, Stockelsdorf und so weiter. Die Altonaer Fayencen, die Museumsdirektor Dr. Gert Wietek jetzt präsentiert, hat er im vorigen Herbst in einem Altonaer Gartengrundstück, ein bis drei Meter tief in der Erde, ausgegraben. Kein Zufallsfund, das Ergebnis einer mit Phantasie und Kombinationsgabe gesteuerten Suchaktion. In alten Archiven und Briefen finden sich Hinweise auf eine Altonaer Manufaktur. Aus Adreßbüchern und Katasterplänen wurde die Lage der Fabrik ermittelt. Tausende von Scherben wurden ausgegraben. Erst die Gruben mit sogenannten Fehlbränden, unverkäuflicher Ausschußware, brachten den Beweis, daß am Fundort wirklich fabriziert (und nicht bloß mit Fayencen gehandelt) wurde. Schalen, Teller, Salbgefäße, Schminkföpfe, aber auch anspruchsvolle Einzelstücke bis zum reich ausgearbeiteten Fayence-Ofen wurden in Altona hergestellt, mit kobaltblauer und manganvioletter Bemalung, im Stil der Zeit, einem etwas rustikalen Rokoko, das sich selbst in den Schäferszenen eher treuherzig als pikant gibt. Die Fabrikmarke besteht aus einem dreizackigen Muster, es ist durch Verschleifung aus den drei Türmen des Altonaer Stadtwappens hervorgegangen. Im Altonaer Museum sind – bis Ende Februar – neben den ausgegrabenen, aus den Scherben zusammengesetzten Stücken einige Fayencen aus norddeutschen Museen ausgestellt, die inzwischen als Produkte der Altonaer Manufaktur identifiziert wurden.

FRANKFURT (Galerie Sydow):

"Schreib"

Die Literatur arbeite neuerdings mit vorgeformten Texten, meint Werner Schreib und findet darin eine Parallele zu den halbmechanischen Herstellungsverfahren in der bildenden Kunst. Er selber arbetet mit Schrauben, Zahnrädern, Stempeln, die er in die aufgetragene Farbpaste eindrückt. "Semartische Malerei" (Semantik: Lehre von den Zeicher) – Schreib hat diesen Begriff gewählt, um seins und seines italienischen Freundes Lattanzi Bilder zu charakterisieren. Der semantische Maler will "Grundgesten organisieren", die als "rationale Bewegtheiten, welche sich selber ausdrücken", verstanden werden. Das semantische Bild ist reliefhalt, eine mit eingegrabenen Chiffren angefüllte Fläche. Es will wie ein "mit Bedeutung geladener literarischer Text gelesen werden". Eine weitere amüsante Nuance: Schreib "zitiert" in seinen Bildern andere Maler. Es ist nicht ganz leicht, die Zitate und Chiffren zu lesen. Aber auch wer nicht ganz dahinter kommt, den wird die aus winziges Bewegungspartikeln gewonnene Gestik der Bilder beeindrucken. Sie ragen formal und in ihrem potentiellen Gehalt weit aus dem abstrakten Durchschnitt von heute. Schreib, Jahrgang 25, hat mit seinen Bildern und seiner Graphik ungewöhnlichen Erfolg gehabt. 1959 erhielt er in Paris auf de-Biennale des Jeunes Artistes den Graphikpreis, 1960 war er auf der Biennale in Venedig.

STUTTGART (Gustav-Siegle-Haus):