Washington, im Februar

Die USA werden weiterhin die atlantische Gemeinschaft anstreben. Was Präsident Kennedy den "Grand Design", den großen Entwurf, genannt hat, bleibt auch nach de Gaulles Distanzierung und nach dem "schwarzen Dienstag" von Brüssel das außenpolitische Grundkonzept der Vereinigten Staaten.

In der letzten Woche zeichnete sich in Washington eine schnelle Ernüchterung ab. Zwischen de Gaulles Pressekonferenz am 14. Januar und dem Scheitern der Beitrittsverhandlungen der EWG mit England am 29. Januar hatte die Kennedy-Regierung noch versucht, mit drastischen diplomatischen Mitteln eilig eine europäische Front gegen Frankreich zu bilden.

Ein grober amerikanischer Klotz auf einen groben französischen Keil – das war die erste Reaktion in Washington. Drastische Schritte wurden erörtert:

a) die USA zwingen die fünf EWG-Mächte, Frankreich, aus den Römischen Verträgen herauszumanövrieren, um ohne Frankreich einen neuen Gemeinsamen Markt mit England und EFTA aufzubauen;

b) die USA verlegen das NATO-Oberkommando aus Paris nach London und den militärischen Nachschub von Le Havre nach Rotterdam;

c) Frankreich – ohnehin der unzuverlässigste, widerwilligste Partner in der NATO, in den Vereinten Nationen – wird wirtschafts- und militärpolitisch isoliert: de Gaulle muß kapitulieren.