Heftige Magnetstürme und erhebliche Störungen im Funkverkehr haben soeben eingesetzt. Gruß Nelson." Das ist der Text eines Telegramms, das uns am letzten Freitag aus New York erreichte.

Das Magnetfeld der Erde gerät häufiger einmal in Bewegung, und dann gibt es meistens Ärger mit den transkontinentalen Radioverbindungen. Ein solches Ereignis ist zwar sehr unangenehm für Funkstationen und Radioamateure, jedoch hätten wir die Tatsache, daß der Äther am 31. Januar wieder einmal in Unordnung geraten ist, kaum für mitteilungswert gehalten, wenn damit nicht ein Ereignis eingetreten wäre, das wir bereits im Herbst für diesen Zeitpunkt auf unserem Terminkalender notiert hatten.

Vor drei Monaten nämlich berichteten wir an dieser Stelle über eine interessante neue Theorie (ZEIT Nr. 44 vom 2. 11. 1962). Sie stammt von John H. Nelson, einem Ingenieur, der seit vielen Jahren die Radio Corporation of America über die jeweils günstigsten Funkwege für den Verkehr mit Europa, Asien und Australien berät. Nelson meint, zwischen der Stellung der Planeten zueinander und dem Radiowetter bestünde ein enger Zusammenhang. Wenn mehrere Planeten in Bezug auf die Sonne als Scheitelpunkt rechte oder gestreckte Winkel miteinander bilden, dann ist zu erwarten, daß die Radioverbindungen zwischen den Kontinenten zusammenbrechen.

"Die meisten Astronomen stehen Nelsons Behauptung skeptisch gegenüber. Er selbst weiß freilich auch keine Erklärung für die Wechselbeziehungen zwischen planetarischen Konstellationen und der Ausbreitung von Radiowellen, jedoch sind seine Vorhersagen stets eingetroffen", hieß es in unserem Artikel. Wir wollten aber selbst nachprüfen, wie zuverlässig die Prophezeiungen des amerikanischen Funkwetterfrosches sind. Der Astronom Hans-E. Schuster von der Hamburger Sternwarte hatte für uns den nächsten Termin ausgerechnet, an dem – nach Nelson – nahezu Funkstille herrschen müßte. Diese Berechnung, die wir seinerzeit veröffentlichten, ergab als Zeitpunkt für die nächste in diesem Sinne kritische Planetenkonstellation den 1. Februar 1963.

Mister Nelson hat wieder einmal recht behalten: Das Fernmeldetechnische Zentralamt in Darmstadt bestätigt: Zwischen dem 31. Januar 15 Uhr MEZ und dem 1. Februar 14 Uhr waren die Funkverbindungen zwischen Amerika und Europa vollständig abgerissen. –ow