Noch ehe es zu einem handfesten Skandal kam, beginnen sich die Fernseh-Wogen um das Spiel "Stalingrad" wieder zu glätten: General Foertsch als Generalinspekteur der ranghöchste Offizier der Bundeswehr, hat sich bei dem Bearbeiter der Fernsehfassung, Claus Hubalek, entschuldigt. Reichlich forsch hatte Foertsch noch vor der Aufführung des "Stalingrad"-Spiels in einem Brief an alle Kommandeure behauptet: Dieses Stück – nach einem Roman des 1933 in die Sowjetunion emigrierten Theodor Plievier von dem ehemaligen Brecht-Mitarbeiter Hubalek dramatisiert – "beirre" die Soldaten in ihrem Verteidigungswillen und sei ein "Kampfmittel der bewußten Gegner der Freiheit oder ihrer mißbrauchten Helfer".

Das NDR-Fernsehen und der Drehbuchautor setzten sich zur Wehr und sparten ebenfalls nicht mit scharfen Worten. Es scheine, so konterten sie, als billige Foertsch die Haltung der Generäle von Stalingrad, ja, als betrachte er sie sogar als beispielhaft.

Nun ist der Generalinspekteur wohl nicht der Mann, der einem falschen Heldenmythos huldigte und einem Paulus oder von Manstein späte Elogen machte.

Unrecht freilich tat er dem Fernsehen, indem er es, wenn auch durch die Blume, als kommunistischfreundlich abstempelte. Ein General, zumal ein Generalinspekteur, sollte in der Wahl seiner Mittel bedachtsamer sein. Sonst könnte er in den Verdacht geraten, er wolle den Zensor spielen. Das aber ist gewiß nicht seines Amtes. So mag "Stalingrad" auch in diesem Sinn für ihn ein Lehrstück gewesen sein. D. St.