BADEN-BADEN (Theater der Stadt):

"Der Großtyrann und das Gericht", dramatisiert von Günther Fleckenstein

Zum siebzigsten Geburtstag des in Baden-Baden wohnenden Werner Bergengruen wurde eine Dramatisierung seines berühmten Romans uraufgeführt. Der hannoversche Regisseur Günther Fleckenstein, der den Roman in dreizehn Theaterszenen umgeschrieben hatte, konnte am Ende der Premiere Hand in Hand mit Bergengruen an der Rampe erscheinen. In der FAZ werden der Uraufführung "Qualitäten vom Schauspielerischen" her bestätigt, "zuweilen auch Glanz, der von einzelnen bühnenwirksamen Szenen ausging ... Bei allen Einwänden darf das Stück ein Gewinn für die Bühne genannt werden". In der Welt dagegen, wird Fleckensteins Bühnenfassung "ein offensichtlich mißglücktes Unternehmen" genannt. Der Bearbeiter verlagerte das Gewicht ganz auf die "religiöse Schuld", indem er den Großtyrann zu Beginn an die Rampe treten und seine Tat, die Ermordung des Mönchs, eingestehen läßt. Mit dem kriminalistischen Reiz ist – nach dem Urteil der Stuttgarter Zeitung – "auch die Spannung der Wahrheitsfindung" weggefallen. Das Publikum schaut einer "ethischen Examinierung... in akademisch klingender Sprache" zu.

FLENSBURG (Städtische Bühnen):

"Die fröhliche Stadt, die so sicher wohnte" von Jacinto Benavente

Der spanische Nobelpreisträger für Literatur, der bei seinem Tode im Jahre 1954 hundertzweiundsiebzig Theaterstücke hinterließ, wollte von der Bühne herab seinen Landsleuten ins Gewissen reden. Das Trauerspiel wurde 1916 in Madrid uraufgeführt. Jetzt bildet es den zweiten Teil einer Werkmontage. Als ersten Teil schickte der bearbeitende Schauspieler Manuel Collado ein anderes verkürztes Stück Benaventes aus dem Jahre 1907 voraus. Es stützt sich auf die gleichen Personen, Nachfahren der commedia dell’arte. Zwei hochstapelnde Komödianten rupfen die reichen Herren Polichinela und Pantalon. Der großmäulige Diener Crispin verschafft seinem Herrn, Leandro, das geliebte Mädchen als Ehefrau, die von Leandro im zweiten Teil, aus Ekel vor dem Schwiegervater Polichinela, betrogen wird. Crispin ist inzwischen Fürst einer Stadt geworden. In dem Spiel gewinnt immerhin die Figur Crispins tragisches Format. Ewiger Diener, der die Schläge auch auf dem Thron bekommt, unternimmt er gegen die korrupten Händler einen tapferen Versuch, den Frieden und die Neutralität der Stadt zwischen den kriegführenden Venezianern und Genuesern zu retten. Doch von einem feilen Demagogen verhetzt, tötet das Volk seinen wahren Freund. – Diese Bearbeitung (aus zwei mach eins) wurde in Flensburg als "Uraufführung" vorgestellt. Leider behindern die Bleigewichte theatralischer Konvention, Ungeschick des Bearbeiters und die Spruchbänder guter Absichten (des Autors) das dramatische Leben. Eine recht klägliche Inszenierung leistete nicht mehr, als daß sie auf den Namen Benavente aufmerksam machte.

KARLSRUHE (Staatstheater):