Wer sich nicht mit Politik befaßt, hat die politische Parteinahme, die er sich ersparen möchte, bereits vollzogen: er dient der herrschenden Partei. Max Frisch

Olymp der Kritiker

Am 16. Februar wird in den USA eine neue Zeitschrift erscheinen, die New York Book Review Sie wird einen Umfang von 48 Seiten haben, 25 cts. (1,– DM) kosten und von Bob Silbers (bisher Herausgeber von Harper’s Magazine) und der Gattin von Jason Epstein (dem Vizepräsidenten des Verlages Random House) herausgegeben. In jeder Nummer sollen fünfzig Bücher besprochen werden. Als Rezensenten werden auftreten: H. W. Auden, Dwight MacDonald, Gore Vidal, Robert Penn Warren, Norman Mailer, Muriel Spark, Arthur Schlesinger und andere. Man will, so betonen die Initiatoren dieses Planes, damit nicht nur eine Lücke füllen, sondern ein Zentrum der amerikanischen Literaturkritik schaffen, allgemeingültige Maßstäbe setzen und dadurch das gesamte literarische Niveau des Landes heben. Das Vertrauen in die Buß- und Besserungsfreudigkeit der Amerikaner ist groß: Die erste Nummer der New York Book Review wird in einer Auflage von 100 000 Exemplaren erscheinen,

Die siegreiche Witwe

Das Münchner Landgericht hat es dem Verleger Lothar Günter Buchheim (Feldafing bei München) verboten, die in seinem 1959 veröffentlichten Kunstband "Der Blaue Reiter" enthaltenen Bilder von Wassilij Kandinsky zu vervielfältigen oder zu verbreiten. Im Urteil steht, daß Buchheim die Bilder nicht ohne die Erlaubnis Nina Kandinskys, der Witwe des Künstlers, reproduzieren dürfte. Das im Buchheim-Verlag erschienene Buch "Die Kunst, Witwen zu verbrennen" scheint vom Verleger selber nicht eingehend genug studiert worden zu sein.

Neuer Böll

Im Mai soll bei Kiepenhauer & Witsch in Köln nach langer Pause wieder ein Roman von Heinrich Böll erscheinen: "Ansichten eines Clowns". Bölls bisher letzter Roman, "Billard um halbzehn", kam 1959 heraus, seither publizierte er Hörspiele und Aufsätze, sein erstes Drama "Ein Schluck Erde" und einen Essayband "Hierzulande",