Rothenburg ob der Tauber, im Februar Den "Fernsehkoch" Adam kennt jeder, besser, jede, die nachmittags den Apparat einstellt. Die weiße Mütze, das charakteristische Profil und die Gerichte, die der Küchenmeister nach Rezepten zubereitet, die er bekanntgibt, erfreuen die Zuschauer und noch mehr die Esser. Hans-Karl Adam hat nach einer Sendung einmal: 36 000 Briefe erhalten. Wer es noch ohne Television aushalten zu können glaubt, braucht darum der Adamschen Küchenratschläge nicht zu entraten: Sie sind in mittlerweile zehn Kochbüchlein vereinigt (die meisten bei Ernst Heimeran in; München). Adam ist indessen nicht nur Koch und Konditor (diesen Beruf hat er in seiner schlesischen Heimat erlernt), auch nicht nur Schriftsteller – damit fing er an, als es das kärgliche Einkommen vor und nach der Währungsreform aufzubessern galt. Er ist auch Hotelbesitzer. Es gab allerhand Umwege, bis das Haus in der Rothenburger Burggasse eröffnet werden konnte. Adam fuhr vor dem Krieg mit der Mitropa und dem Norddeutschen Lloyd, er kämpfte sich nach, der Kriegsgefangenschaft als Kantinenkoch wacker durch die allzu rasch vergessenen Zeiten, in denen man Aluminiumreste gegen Kartoffeln oder Kartoffeln gegen Äpfel tauschte.

Eines Tages konnte er eine Weinstube pachten, in Rothenburg ob der Tauber, wo sich allgemach der Fremdenverkehr wieder zu regen begann. Damals, vor zehn Jahren, begann Adams vierter Beruf, für den er und seine Frau Eva meiner Ansicht nach genauso viel Begabung haben wie für die drei anderen: die Sammlertätigkeit. Mit der gleichen Nase, die er für die feinsten Nuancen von Suppen und Soßen hat, erschnupperte Küchenmeister Adam alte Möbel, Zinn, Kupfer und Porzellan. Die gesammelten Kochbücher bilden inzwischen eine Bibliothek von über tausend Stück.

Wer heute das 1958 eröffnete "Kleine Hotel" betritt, wundert sich über die Geschicklichkeit, mit der das Haus perfekt installiert wurde: Es wirkt alt, wurde aber funkelnagelneu in vorgeschriebenem Stil und der obligaten Baulinie der alten Rothenburger Häuser errichtet, wie sie auf die blühenden Parkanlagen der breiten alten Wälle und darüber in das üppig grünende Taubertal schauen. Das "Kleine Hotel" hat, von winkeligen Treppen und schmalen Gängen aus erreichbar, nicht mehr als zwölf Zimmer, fast alle mit Bad oder Duschbad. Man kann in jedem gewünschten Stil wohnen: modern, Empire, Biedermeier, Renaissance oder klassizistisch.

Die Übereinstimmung der Küche mit der amüsanten Ausstaffierung des Eßraumes, der Theke, ist für jeden wahren Gourmet ein zusätzliches Vergnügen. Es ist ein Hotel, in dem man sich nach einem Tag der Arbeit oder auch des Streifens durch das redende Städtchen, durch Wälder und Wiesen entlang der Tauber, mit ungemeinem Behagen an einen der dunklen Holztische setzt und sich schließlich in die Betten streckt, im sicheren Gefühl, eine sehr originelle Abart der Gastgeber mit besonderer Note erwischt zu haben. M. M. G.