Als "dramatisches Possenspiel" präsentierten die Autoren Peter Preses und Ulrich Becher ihr Stück vom "Bockerer", dessen unmäßige Länge die angekündigte Euthanasie-Dokumentation auf einen anderen Abend verbannte. Das dramaturgische Zwitterding, Burleskes und Tragisches zusammenfügend, förderte eine schwejkartige Figur zu Tage, die nicht mit listiger Verschlagenheit, sondern mit polterndem Grinzing-Gemüt unbeschädigt durch die österreichische Spielart des Nazismus kommt.

Dem bösartigen Humor des Dichter-Teams gelangen einige geistreiche Szenen, die ihren Witz aus der einfachen Konfrontation der "großen" Zeit mit dem normalen Menschen zogen und in denen Fritz Muliar als Fleischhauer Bockerer pure Situationskomik schauspielerisch absicherte und vertiefte. Die dramaturgisch unverantwortliche Überlänge und Abschweifungen in ernstgemeinte Zeitdramatik hatten dann aber die Geduld des Zuschauers schon angegriffen, als die mißglückte Schlußpointe mit dem entsprungenen Irren in der Maske Hitlers die Angelegenheit nahe der Katastrophe enden ließ. Ein bemerkenswertes Mißlingen, das von einer verständigen Senderdramaturgie in einen Triumph verschmitzter Zeitsatire hätte gekehrt werden können.

Gert von Paczensky, in seiner zum Stil erhobenen mimischen Unterentwicklung immer wieder faszinierend, hatte sich weder mit der Regierung noch mit der Gesellschaft dieses Staates angelegt. Diesmal mußte die Bild-Zeitung als Opfer herhalten, deren Mißgeratenheit jedoch ziemlich bildzeitungsgemäß vorgeführt wurde. Es fehlte nicht nur der genauer abwägende Vergleich mit französischen, angelsächsischen oder italienischen Massenblättern und jeder Versuch einer Zuordnung der verschiedenen Typen dieses Genres zu bestimmten Sozialstrukturen; es fehlte zudem die exakte Analyse auch nur einer einzigen Nummer der Bild-Zeitung und damit jene nüchterne Sachbezogenheit, die etwa Enzensbergers FAZ-Studie besaß.

Hinterher war man belehrt, daß die Bild-Zeitung nicht gerade zu den intellektuellen Elite-Blättern gehört; eigentlich hatte man das schon vorher gewußt. Nicht deutlich war geworden, worin die Differenz dieses vorliegenden Falles von Boulevard-Blatt etwa zum Daily Mirror" besteht, womit sowohl die journalistische Technik als auch der politische Stil gemeint sind. lupus