Parteiattacken gegen "Panorama" – Josef-Hermann Dufhues und das Ressentiment gegen die "Linksintellektuellen"

Von Helmut W. M. Kahn

Ganz besonders dort, wo eine "Machtstellung sehr subjektiv und willkürlich von einem einzelnen mißbraucht" werde, gäbe es "das Recht und die Pflicht zur Kritik". Dabei müsse diese "gleichermaßen entfernt sein von Unduldsamkeit wie von der Duldung eines Mißbrauchs, den wir unnachsichtig am konkreten Fall kennzeichnen sollten".

Solche bedenkenswerte Worte schrieb Josef Hermann Dufhues am Wochenbeginn ausgerechnet in einem Blatt aus dem Hause Axel Springers. Der Autor, geschäftsführender Vorsitzender der CDU und Verwaltungsratsvorsitzender des Westdeutschen Rundfunks, meinte aber gar nicht einen "einzelnen", sondern er meinte die aktuelle Fernsehreihe "Panorama" des Norddeutschen Rundfunks. Er denke da, so führte er aus, an "verschiedene" Panorama-Sendungen, die geradezu ein Muster dafür seien, "wie es nicht sein soll und nicht sein darf". Leider verzichtete Dufhues, kaum daß er sie aufgestellt hatte, auf die Erfüllung der eigenen Forderung, einen etwaigen Mißbrauch "am konkreten Fall" zu kennzeichnen.

Schon am 19. Januar hatte er – leider ebenso wenig konkret – von "Panorama" gesprochen. Nach wochenlangem Sinnen über einen Weg zur "Entgiftung" der Atmosphäre in Funk und Fernsehen, hatte er damals plötzlich eine Verbindung zwischen dieser aktuellen Reihe und der "Gruppe 47" hergestellt – wobei er letztere in nicht gerade entgiftender Weise eine "geheime Reichsschrifttumskammer" nannte (siehe DIE ZEIT vom 8. Februar).

Inzwischen haben die Sozialdemokraten Dufhues beschuldigt, einen "großen personalpolitischen Pressionsversuch" mit dem Ziel zu betreiben, die Rundfunkanstalten und das Fernsehen zu Anstalten ähnlichen Charakters zu machen wie das gescheiterte "Adenauer-Fernsehen". Dabei geht die Oppositionspartei von der Überlegung aus, daß die Kenntnisse und Erfahrungen, die sich der CDU-Manager in langjährigem, beaufsichtigendem Umgang mit den Massenmedien Funk und Fernsehen erwarb, nicht unwichtig für seine Aufgabe sein könnten, die CDU/CSU für die Wiedereroberung der absoluten Mehrheit "fit" zu machen.

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