-ge, Bremen

Unversehens sind Bremens Sozialdemokraten in Schwierigkeiten geraten: Der im vergangenen Herbst von einem außerordentlichen Landesparteitag als Nachfolger Wilhelm Kaisens nominierte Adolf Ehlers hat auf seine Kandidatur verzichtet. Die Ärzte hatten ihm dringend abgeraten, das Bürgermeisteramt zu übernehmen. Im vergangenen Dezember war Ehlers während einer öffentlichen Veranstaltung zusammengebrochen.

"Jetzt geht also alles wieder von vorn los", meinte ein sozialdemokratischer Spitzenfunktionär, als die Kunde von Ehlers’ Verzicht an die Öffentlichkeit drang. Die SPD in der Hansestadt, die den Bürgermeister in den beiden letzten Jahren planmäßig "aufgebaut" hatte, befindet sich – acht Monate vor der Wahl – fürwahr in keiner beneidenswerten Lage.

Ein Ehlers vielleicht gleichwertiger Kaisen-Nachfolger wäre der Bildungssenator Willy Dehnkamp. Dieser hat sich jedoch zahlreiche Abgeordnete seiner Fraktion zu Feinden gemacht, als er sich für höhere Zuschüsse an die katholischen Privatschulen und gegen den Plan eines Übergangsgeldes an ausscheidende ältere Parlamentarier aussprach.

Und Kaisen selber? Zahlreiche Parteifunktionäre haben nach dem Ehlers-Debakel die Hoffnung, der "Landesvater" werde sich doch nach weitere zwei Jahre für das Amt des Präsidenten des Senats zur Verfügung stellen. Kaisen hat auf vorsichtige Anfragen nicht gleich mit einem brüsken nein geantwortet. Aber eine solche Lösung brächte wahltaktische Schwierigkeiten, da der Präsident und seine Partei in den vergangenen Monaten immer wieder von der Notwendigkeit einer Verjüngung der Regierungsspitze gesprochen haben. Kaisen ist 75 Jahre alt.