Von Rino Sanders

Kürzlich vermutete Ernst Stein in seiner Rezension der "Merowinger", Heimito von Doderer sei "der einzige und wohl letzte Vertreter" eines Stils, der Effekte aus altertümelnder Schreibweise zu ziehen suche, der zum Beispiel C statt K setze. Er irrte. Es gibt einen weiteren Autor von nicht geringen Ambitionen, der den C-Tick hat. Ist er nun aber auch conservativ, so ist er doch nicht consequent. Wer C sagt, muß auch ey und th sagen. Das mindestens.

Zwar finden sich bei ihm immer wieder gar artige Zierwörter aus galanter Zeit, deren Reiz es gerade ist, daß sie außer Gebrauch sind; doch mehr, als dem Detail einen Duft von stockfleckigem Papier und Preßblumen zwischen Albumblättern zu geben, vermögen sie nicht. Dabei stellt das neue Buch von

Hermann Lenz: "Spiegelhütte"; Verlag Jakob Hegner, Köln; 238 S., 15,80 DM

den Anspruch, ein zeitkritisches Werk zu sein; und die Methoden, deren Lenz sich darin bedient, sind durchaus nach-kafkaesk, nach-kasacksch. Er bietet ein Triptychon von Erzählungen, deren jede uns den vom Autor eben zum Behufe der Zeitkritik gegründeten allegorischen Ort Drommersheim vorstellt.

Im ersten Teil, "Einhorn geh nach Drommersheim", begibt sich ein Mittfünfziger auf Traumeslänge nach dieser Stadt, aus deren Strafanstalt er sich tags zuvor entlassen wähnt. Er folgt den Spuren einer keilbehosten Dame namens Senta, die sich seiner wissend annimmt, wie weiland Vergil sich Dantes annahm, ihm kundtut, daß es in Drommersheim längst keine Strafanstalt mehr gebe, und sich im übrigen, wie der ganze Ort, als ein Stück unbewältigter Vergangenheit entpuppt. Das hat man ja im Traum.

Im zweiten Teil, "Calvaria oder eine Audienz in S.", richtet sich der Student der Altertumswissenschaft Carl Umgelter in Drommershsim ein, ist widerwillig Fuchs des Corps Calvaria, welches begeistert akribisch beschriebene Kommerse zelebriert, strebt aber vor allem eine Audienz beim römischen Kaiser Marc Aurel an, der gelegentlich diesen Teil des Imperium Romanum inspiziert. Das kann man ja im Traum.