DIE ZEIT

Fall Becker, 2. Teil

Nicht immer vermag die Politik der Justiz vorzuschreiben, welchen Weg sie einschlagen soll. Der Untersuchungsausschuß des Düsseldorfer Landtages hatte dem Bonner Landgerichtspräsidenten Dr.

Wenig Spielraum für Franco

Der spanischen Regierung scheint es höchst unangenehm zu sein, daß ihre Außenpolitik so viel Aufsehen verursacht hat. In den Außenministerien Europas und Amerikas spricht man über die „Achse Madrid–Paris–Bonn“, über „Spaniens dramatische Rückkehr in die Familie der europäischen Staaten“, und man rätselt daran herum, wie wohl der neue Stützpunkt-Vertrag mit den USA ausfallen wird.

Berlins Antwort

Die Wahl in Berlin hat zwei Dogmen der deutschen Innenpolitik erschüttert. Das erste lautete: Berlin muß von einer Allparteienregierung regiert werden; das zweite: Der Weg der Sozialdemokraten zur Mehrheit in der Bundesrepublik gleicht einem geduldigen Prozentesammeln, da ein Prozentchen, dort ein Prozentchen – und am Ende reicht es doch nicht ganz.

Erhards Chancen sinken

Noch immer hat Professor Erhard bessere Chancen, Adenauers Nachfolger zu werden, als irgend ein anderer CDU-Politiker. Aber seine Aussichten nehmen von Monat zu Monat ab.

Noch einmal: Geesthacht

Es ist wahrscheinlich, daß der Direktor des Geesthachter Gymnasiums, Dr. Rühsen, den Freitod gesucht hat. Ohne Zögern hatte er die Verantwortung für die umstrittene „Dönitz-Stunde“ in seiner Schule übernommen – im Gegensatz zu den eigentlichen Initiatoren.

Zeitspiegel

Zum erstenmal in der Geschichte des kommunistischen Ungarns können die Budapester bei den Parlamentswahlen am 24. Februar zwischen zwei Kandidaten der Einheitsliste wählen.

Die Berliner CDU sperrt sich

Was wird Berlins Regierender Bürgermeister Willy Brandt mit dem Wahlsieg des 17. Februar anfangen? So fragen sich seit Sonntag Freunde und Gegner des Regierenden, wobei die Freunde die Sorge nicht ganz unterdrücken können, ob so viel Erfolg in einer Hand nicht etwa doch vom Übel wäre.

Forschung nicht gefragt?

Hat der deutsche Bundestag wirklich noch nicht begriffen, was draußen im Lande auch dem „Normalbürger“ aufgegangen ist: daß Wissenschaft und Forschung und ihre Förderung durch den Staat nicht Rand-, sondern Zentralprobleme unserer Existenz sind? Denkt man an die schwache Besetzung des Bundestages bei der Debatte über diese Fragen in der vorigen Woche, dann läßt sich dieser Eindruck kaum vermeiden.

Der Maghreb – eine Fata Morgana?

Wir werden den Maghreb-Gedanken wieder aufnehmen, sobald es unsere algerischen Nachbarn gelernt haben, sich uns gegenüber wieder anständig zu benehmen.

Wer soll kommandieren?

Der 1956 in das Grundgesetz eingefügte Artikel 65a bestimmt, daß der Bundesminister für Verteidigung die Befehls- und Kommandogewalt über die Streitkräfte hat.

Zweideutig aus Prinzip

Der Amtssitz des britischen Ministerpräsidenten steht leer. Ein Bauzaun umgibt das Grundstück Downing Street 10; Gerüste verunzieren die ehrwürdige Klinkerfassade; dahinter wird gehämmert, gezimmert, gemörtelt.

Würzburg, dein Lied will ich singen

Nein, das Werbeamt zu Würzburg irrt. Es gab Dichter, deren längst geschriebenes Wort noch heute die Atmosphäre dieser Stadt begreifbar macht: Walther von der Vogelweide – der vielleicht neben dem Dom begraben liegt – mit Versen, die genau auf Würzburg geschrieben zu sein scheinen, auch wenn sie oft einen anderen Anlaß hatten.

Der Tod nach Vorschrift

Grau und verfallen, ein gebrochener Mann, – so stand er drei Tage lang vor seinen Richtern: der Hamburger Bundesbahnobersekretär Alfred Messer.

Ein Nachfolger wird gesucht

Unversehens sind Bremens Sozialdemokraten in Schwierigkeiten geraten: Der im vergangenen Herbst von einem außerordentlichen Landesparteitag als Nachfolger Wilhelm Kaisens nominierte Adolf Ehlers hat auf seine Kandidatur verzichtet.

Das war ein deutsches Familienblatt

Die Blütezeit des Familienblatts fällt zweifellos in die Jahre 1815 bis 1848, die Epoche des beschaulich, traulich zopfigen Biedermeiers, eine Zeit, die von ihren ersten Tagen an eigentlich „die gute alte Zeit“ war.

Brief aus dem Rheinland (IV)

Merkwürdig nur, wie die Fronten sich verschoben haben: Diesmal ist es ein Bismarck, der die arg angefochtene Freiheit zu verteidigen unternimmt, und es sind Windthorsts Enkel, die jener mit einem dumpfen Groll zu Leibe rücken.

Was gehen uns die Universitäten an?

Die ersten Frühlingsträume der Universitätsreformer sind ausgeträumt. Soziologen vom Range Schelskys und Dahrendorfs stimmen überein in der Erkenntnis: Eine Erneuerung der bestehenden Universitäten von innen her ist nicht mehr zu erhoffen.

Die weiße Rose

Am 18. Februar 1943 flatterten in den Lichthof der Münchener Universität Flugblätter. „Nichts ist eines Dichtervolks unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique regieren zu lassen.

Zum Studium drängt doch alles

Die zunehmende Technisierung unserer Zivilisation bringt es mit sich, daß in England wie anderswo in den verschiedensten Schichten der Bevölkerung die Forderung nach höherer Ausbildung immer stärker erhoben wird.

Kleiner Kunstkalender

Veranstalter dieser ersten Thailand-Schau in Europa ist das Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum. Festredner bei der Eröffnung war der Bundespräsident.

Zeitmosaik

Nach 18 Aufführungen wurde Max Frischs „Andorra“, der große bundesrepublikanische Theatererfolg der vorjährigen Saison, vom Spielplan des New Yorker „Biltmore Theatre“ wieder abgesetzt.

Keine gemeinsame Margaret

Seit man den Engländern zu verstehen gegeben hat, daß sie für Europa und seinen Gemeinsamen Markt noch nicht reif sind, zeigen sich selbst jene Engländer tief empört über diese schroffe Behandlung, die weder für Europa noch für den Gemeinsamen Markt das geringste übrig haben.

Wie man Argumente ersetzt

In unserem Geistesleben grassiert eine gräßliche Mode, die von Jahr zu Jahr schlimmer wird: Es ist der Trick mit der Biographie.

Chlodwig Poth:: Aller Voraussicht nach ...

... werden unsere Verleger bald darauf sinnen müssen, wie sie der Tatsache Rechnung tragen können, daß dem riesigen Angebot aus ihren Häusern beim Endverbraucher allein aus Platzgründen eine Grenze gesetzt ist.

Die Freie Universität bleibt frei

Der Anschluß fand nicht statt. Die Studenten von Berlin weigern sich, die Isolation der Freien Universität von der Entwicklung an den bundesdeutschen Hochschulen zu durchbrechen.

Die Sorgen und die Macht

Die Sorgen und die Macht“ ist zugleich der Titel dieses Aufsatzes, die Quersumme meiner Eindrücke aus zehn Tagen in Ostberlin und der Titel eines Stückes des jungen, sympathischen, fanatischen Peter Hacks, das im Deutschen Theater lief (bis es sehr schnell wieder abgesetzt wurde) und bei dem es um folgendes geht.

Wiener Brettl und Überbrettl

Im Wiener Prater gab es, ehe er von Raketen und Mondflugzeugen erobert wurde, ein gemein harmloses Etablissement, in dem der Vergnügungshungrige auf zwei gegeneinander ruckenden und zuckenden Brettern seinen Weg finden mußte, ehe er der Wonnen von Rutschbahn und rollenden Teppichen teilhaftig wurde.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT in sieben Kapiteln die Malerei der letzten 75 Jahre, von Cézanne bis Dubuffet und Rothko, von den „Ursprüngen der modernen Kunst“ bis zum „Abstrakten Expressionismus“.

Wie es dazu kam

Der Stoßseufzer eines bekannten amerikanischen Historikers (mit recht guten Deutschkenntnissen) beim Erscheinen des letzten Buches eines deutschen Kollegen ist authentisch: Jetzt würde ihm, wie vor ein paar Jahren schon einmal, ein ganzer Sommer verdorben.

Pionteks gefahrbringende Sicherheit

Immer wieder schenken Poeten ihr Zutrauen der scheinbar unangefochtenen Realität, den Bildnissen und Stimmen der Erinnerung, ohne sich vor der gespaltenen Zunge des Vergangenen zu fürchten.

Ein Rothenburg ob Acheron

Kürzlich vermutete Ernst Stein in seiner Rezension der „Merowinger“, Heimito von Doderer sei „der einzige und wohl letzte Vertreter“ eines Stils, der Effekte aus altertümelnder Schreibweise zu ziehen suche, der zum Beispiel C statt K setze.

Fernsehen: „Schlachtvieh“

Christian Geißler der sich im Roman „Die Anfrage“ gegen die Generation der Väter wandte, hat die Front gewechselt: Das Fernsehspiel „Schlachtvieh“ ist ein Warnruf an die Söhne, wach zu sein in der Zeit, zu fragen, die Notbremse zu ziehen, wo es erforderlich ist.

Theater

Die Bemühungen der Theater um den deutschschreibenden Ungarn, der .1936 in Paris von einem Baum erschlagen wurde, gehen weiter.

Analysen bitte genauer

Als „dramatisches Possenspiel“ präsentierten die Autoren Peter Preses und Ulrich Becher ihr Stück vom „Bockerer“, dessen unmäßige Länge die angekündigte Euthanasie-Dokumentation auf einen anderen Abend verbannte.

Der Kinobesucher und das „nationale Gefühl“

Es scheint ein deutsches Erbübel zu sein, ein tief eingewurzelter nationaler Komplex, mit Mißtrauen auf das Ausland zu blicken und dort nach perfiden Verschwörern zu forschen, die danach trachten, das deutsche Ansehen zu schmälern.

Film

„Neun Tage eines Jahres“ (Sowjetunion; Verleih: Pegasus): Die meisten der Filme, die bisher die Erneuerung des Sowjetfilms seit dem XX.

„Luftige” Diktatur?

Wenn die Westberliner nach dem Krieg im deutschen Flugverkehr eine Spitzenstellung in den Passagierlisten errungen haben, so hängt dies unbestritten mit der politischen Sonderlage ihrer Stadt zusammen.

Der Marsch ins Defizit

„Beschlüsse des Bundestages und Bundesrates, welche die von der Bundesregierung vorgeschlagenen Ausgaben des Haushaltsplanes erhöhen oder neue Ausgaben in sich schliefen oder für die Zukunft mit sich bringen, bedürfen der Zustimmung der Bundesregierung.

Am Rande vermerkt

Der Appell zum Maßhalten richtet sich auch an die öffentliche Hand“, so ließ sich der Bundeskanzler mit dem Brustton der Überzeugung vor dem Bundestag vernehmen.

Ruhrkohle unter zwei Flaggen

Ab 1. April wird der Essener Ruhrkohlenverkauf unter zwei Flaggen segeln. Die Hohe Behörde der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl hat jetzt die Anträge des Ruhrbergbaus auf Genehmigung zweier voneinander unabhängiger Verkaufssyndikate genehmigt.

ZEIT-Termine

Wiesbaden: Die Deutsche Gesellschaft für Betriebswirtschaft veranstaltet vom 28. Februar bis 1. März eine Arbeitstagung mit dem Thema „Förderung der Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Raum“.

Kennedy präsentierte einen „Flop“

Schon im ersten Anlauf der parlamentarischen Behandlung sah sich der amerikanische Finanzminister Dillon gezwungen, seine Drohung wahr zu machen und eine Änderung des Kennedyschen Programms der Steuersenkung vorzulegen.

Nun macht die Post ernst

Die beträchtlichen Gebührenerhöhungen in den meisten Teildienstzweigen der Post treten ab 1. März 1963 in Kraft. Weitere Tarifanhebungen im Fernsprechverkehr zwischen 19 und 21 Uhr sind ab 1.

Tücken des Reichtums

Zürich, im Februar In den beiden vergangenen Jahren sind die schweizerischen Konsumgüterpreise im Durchschnitt um je 3,5 % gestiegen.

Zeitraffer

Von den Volkswagenaktien, die vor zwei Jahren mit Sozialrebell erworben wurden, haben 75,8 % zwei Monate vor Ende der Sperrfrist für den Verkauf der Aktien (15.

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