Seit man den Engländern zu verstehen gegeben hat, daß sie für Europa und seinen Gemeinsamen Markt noch nicht reif sind, zeigen sich selbst jene Engländer tief empört über diese schroffe Behandlung, die weder für Europa noch für den Gemeinsamen Markt das geringste übrig haben. Also weit über die Hälfte.

Um diese Scharte auszuwetzen und um den Franzosen, den Verantwortlichen dafür, daß englischer Speck und schottischer Whisky weiterhin über hohe Zollmauern klettern müssen, zu demonstrieren, daß der britische Löwe noch immer Krallen hat, ließ die britische Regierung den angekündigten offiziellen Besuch von Prinzessin Margaret in Paris am 8. März absagen.

Macmillan, der sich mit den Franzosen auskennt, ist anscheinend der Meinung, nichts könne den unaufgeklärten Republikaner de Gaulle und seinen Franzosen die Verwerflichkeit ihres Tuns drastischer vor Augen führen, als wenn man ihnen den Anblick einer reizenden britischen Prinzessin versagt.

Dafür erwägt man jetzt in England, ob es mit dieser Absage getan ist; ob es nicht noch andere Strafen für die Franzosen gibt, und dabei ist dem "Observer" keine härtere eingefallen, als die Königin ausgerechnet – die Bundesrepublik besuchen zu lassen. Vielleicht, denken sich die Engländer insgeheim, würde das die Franzosen auf die Barrikaden und ihren Monarchen vom Thron befördern. Und wenn der General sich bei uns auf geschickte Weise lieb Kind gemacht hat, indem er nicht nur sein Herz für uns entdeckte, sondern auch noch eine veritable deutsche Großmutter, so müsse es doch für die englische Königin ein Kinderspiel sein, die deutsch-englische Freundschaft geradezu mit einer ganzen Galerie toter deutscher Vorfahren zu beleben, um auf diese Weise die de Gaullesche Großmutter schachmatt zu setzen. Der gezielte Export beliebter gekrönter und ungekrönter Staatsfiguren eröffnet für die künftige Diplomatie ganz neue Perspektiven, nicht zuletzt im Hinblick auf die Möglichkeit, die Ausfuhr bestimmter hochwertiger Güter in bestimmte Länder zeitweise zu unterbinden. Für ein Land wie die Vereinigten Staaten, das eine Jacqueline Kennedy in die Schlacht werfen kann, sind diese Möglichkeiten fast unbegrenzt. Das ergab sich kürzlich aus einem Gespräch, das ich mit einem Mann aus Washington über dieses Thema führte.

"Wohin würden Sie Jackie Kennedy nicht schicken?" fragte ich ihn.

"Natürlich nach Kanada. Wenn sie nicht nach Kanada reist, würde das dort einen ziemlichen Wirbel verursachen und denen zeigen, was wir von ihren Verteidigungsbemühungen halten."

"Wohin noch würden Sie Jackie nicht reisen lassen?"