KÖLN (Walraff-Richartz-Museum):

"Schätze aus Thailand"

Veranstalter dieser ersten Thailand-Schau in Europa ist das Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum. Festredner bei der Eröffnung war der Bundespräsident. Wie die pakistanische Kunst – zur Zeit in Bonn – oder vorher die iranische ist auch die thailändische Ausstellung eine eminent politische oder wenigstens kulturpolitische Angelegenheit. Zwischen Deutschland und dem hinterindischen Königreich besteht eine alte Freundschaft, durch die Kunstschau soll sie vertieft werden. Wer von Thailand bisher nichts wußte, bekommt wenigstens eine Ahnung, wie fremd es uns ist – auch seine Kunst, die Kunst eines buddhistischen Königreichs, buddhistische, religiöse Kunst. Vorwiegend Buddha-Figuren, deren verschiedene Haltung, bis in die differenzierte Gestik der Hände, einem kultischen Ritual entspricht, so daß eine künstlerische, eine formale Interpretation ins Leere geht. 400 Gegenstände sind ausgestellt, vom sechsten bis zum zwanzigsten Jahrhundert, Bronzen, Steinskulpturen, Goldarbeiten, Keramik und Terrakotta (einige Stücke kommen aus dem Besitz des regierenden Königs Bhumibol). Einleuchtend erscheint uns die Anmut, Lieblichkeit, die fließende Linie der Gestalt – auf der andern Seite die Verzerrung ins Fratzenhafte, wild Dämonische. Auf der Suche nach halbwegs Bekanntem und Vergleichbarem stößt man auf Indien, ohne die Eigentümlichkeit Thailands schmälern zu wollen. Die indische Plastik ist voluminöser, üppiger, sinnlicher, die thailändische eher asketisch vergeistigt. Die letzten beiden Jahrhunderte, der sogenannte Bangkok-Stil, sind mehr Dekoration, Kunstgewerbe, Routine. Die Ausstellung bleibt bis Mitte April in Köln. Weitere Stationen: Offenbach, München, Den Haag, London, Paris, Zürich, Rom.

KREFELD (Galerie Düsselberg): "Schoofs"

Rudolf Schoofs ist 30 Jahre alt, Dozent in Wuppertal und einer der erfolgreichsten jüngeren Graphiker. Er hat sich auf eine einzige Technik spezialisiert, die Gravüre, und nutzt alle technischen Möglichkeiten – die verschiedenen Härtegrade der Metallplatten, mehrschichtiges Ätzen, Dichte und Maserung des Papiers. Das Ergebnis solchen erfinderischen Experimentierens sind Blätter mit reliefartiger Oberfläche, Prägedrucke, durchlöchert, zerfranst und verkrustet, meistens in Schwarz-Weiß, gelegentlich mit einem eingeschmolzenen Farbton, ocker, blau, grün, sehr zurückhaltend, um die dominierenden formalen Strukturen nicht zu beeinträchtigen. Technisches Raffinement, gewiß, zum Ergötzen der Kenner. Aber die Blätter sind nicht bloß perfekt gemacht. Was sie beinhalten, sind keine vagen Assoziationen an Berge, Schluchten und sprudelnde Quellen. Ihr poetischer Gehalt ist nicht weniger prägnant als die eingeätzten Formen. Schoofs hat mit solchen Gravüren moderne Autoren illustriert, Gedichte von Karl Krolow und Günter Eich und Ingeborg Bachmanns "Jugend in einer österreichischen Stadt". Die Ausstellung in Krefeld – zwei Dutzend Gravüren aus den letzten beiden Jahren – dauert bis Ende Februar.

MÜNCHEN (Neue Galerie im Künstlerhaus):

"Les Nouveaux Réalistes"

Die Galerie, sonst avantgardistisch, aber durchaus seriös, hat auf Fasching umgeschaltet. Viel Lärm um Niki. Niki de Saint Phalle (der Name ist kein Pseudonym) ist die einzige Frau unter den zwölf Pariser Neurealisten, die einzige Malerin, die ihre Bilder schießt. Mit ihrer Flinte war sie nach München gekommen und gab eine Probe ihrer Kunst. Eine Gipsfigur wurde vor einer Platte geformt, mit eingebauten Farbgefäßen, Stroh und Eiern. Die Künstlerin schoß, die Farben ergossen sich, ein Bild entstand. Ein anderer Realist hatte ein Cello zertrümmert und die Bruchstücke fixiert. Ein anderer zerriß Plakate. Einer baute ein Stillleben aus Blechkanistern. Eine nicht ganz aktuelle Śchau- und Schießbude. Nimmt man’s als Faschingsscherz, sind sie tief beleidigt und berufen sich auf internationale Erfolge. Eine programmatische Platte wird aufgelegt: "... eine fundamentale Geste der Aneignung des Wirklichen, verbunden mit einem quantitativen Phänomen des Ausdrucks..." Aber Dada ist tot, läßt sich nicht wiederbeleben. Nur seine Leiche kann man fleddern. Auch Prominente haben sich dahin verirrt. Der verstorbene Yves Klein und Jean Tinguely (Erfinder des Metamechanismus) und der ernstzunehmende Bildhauer Cäsar. Die Schaustellung dauert bis Mitte März. g. s.