Von Helmut Arndt

Obschon Konzerne und Großunternehmungen wirtschaftlich stärker als selbständige Unternehmer sind, schließt das nicht aus, daß die selbständigen Unternehmer rationeller produzieren. Denn – und das sollten die angeführten Beispiele im ersten Teil meines Beitrages bewiesen haben – die Überlegenheit von Konzernen kann auf Ursachen basieren, die mit der Produktion unmittelbar nichts zu tun haben. Konzerne können verlustreiche oder weniger gewinnbringende Produktionen durchhalten, weil in anderen Bereichen um so größere Gewinne erzielt werden. Und selbst diese Gewinne können auf steuerlichen Subventionen oder auf Finanzierungs- oder Spekulationsgeschäften beruhen oder zu Lasten anderer Unternehmer gehen.

Auch wenn viele Konzerne und viele Konzernbetriebe Hervorragendes leisten, so ist es nicht möglich, die Vorstellungen, die in der Wirtschaftstheorie vom Unternehmer entwickelt worden sind, unbesehen auf jede wirtschaftliche Verflechtung zu übertragen. Für den klassischen Unternehmer sind bekanntlich die „Kostenkurven“ entscheidend. Der klassische Unternehmergewinn, wie ihn etwa Joseph Schumpeter definierte, entsteht primär nur dann, wenn der schöpferische Unternehmer durch die Einführung eines billigeren Produktionsverfahrens seine Kosten senkt, oder durch die Einführung neuer oder besserer Waren seinen Absatz vergrößert. Für den Finanzier sind jedoch ganz andere Quellen der Gewinnerzielung möglich. Fragen der Produktion spielen für ihn eine sekundäre Rolle.

Wie wenig der klassische Unternehmerbegriff den realen Verhältnissen mitunter gerecht wird, zeigt sich auch bei der Verwendung von Patenten. Während Patente ihrer ursprünglichen Bestimmung nach dazu dienen sollten, dem schöpferischen Unternehmer ein Äquivalent für seine Leistungen zu sichern, werden sie heute nicht selten eingesetzt, um das Aufsteigen schöpferischer Unternehmer zu verhindern. Mit Hilfe der sogenannten „Schubkasten-“ und „Wegelagererpatente“ wird der technische Fortschritt blockiert. Daß dies nicht nur ein bösartiges Gerücht ist, bestätigt etwa die Aussage, die H. R. Smith als Finanzdirektor der Hartford Empire Corp., einer die amerikanische Glasbehälterindustrie beherrschenden Gesellschaft, im Prozeß United States versus Hartford Empire (46. Fed. Supp. 541-1942, S. 611 f.) im Jahre 1942 vor Gericht unter Eid gemacht hat:

„Wenn wir uns Patente geben lassen“, so sagte hier H. R. Smith, „verfolgen wir damit drei Hauptziele: Wir wollen

a) die Maschinen schützen, die wir herausbringen, und ihre Nachahmung verhüten;

b) die Entwicklung von Maschinen, die von anderen konstruiert werden können, blockieren;