Die neuen in- und ausländischen Aktionäre haben keinen Einfluß auf die Geschäftspolitik

Von Kurt Wen it

Seit der vergangenen Woche gibt es Neckermann-Aktien. Allerdings nur „unter der Hand“. Denn noch sind sie an keiner Börse eingeführt. Dazu bedarf es einer längeren Prozedur, vor allem der Kenntnis genauer Zahlen über die in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien umzuwandelnde Neckermann Versand KG, Frankfurt/Main. Für das Frankfurter Unternehmen bricht jetzt ein neuer Abschnitt seiner Nachkriegsgeschichte an.

Die Neckermann Versand KG hatte nach der Währungsreform einen kometenhaften Aufstieg genommen, was sehr bald dazu führte, daß sich Josef Neckermann nach Geldgebern umsehen mußte, um seine Expansion finanzieren zu können. Zum richtigen Zeitpunkt sprang vor einigen Jahren die Berliner Handels-Gesellschaft mit ihrer Tochtergesellschaft Investiha, Investierungs-Gesellschaft für Industrie- und Handelsunternehmen mbH, in die Bresche. Diese Stelle hielt etwa 34 Mill. DM als Kommanditeinlage von einem Gesamtgesellschafterkapital von 55 Mill. DM. Mit 19 Mill. dürfte Neckermann selbst beteiligt gewesen sein, weitere Kommanditisten waren bislang Frau Annemarie Neckermann und Prokurist Alwin Burkel mit vermutlich zusammen 2 Mill. DM.

Angst vor Dynamik

Diese Kapitalbasis hat sich inzwischen als unzureichend erwiesen. Allein im Geschäftsjahr 1962 sind die kurz- und langfristigen Verbindlichkeiten von 57 auf 85 Mill. gestiegen, darunter gegenüber Banken von rund 8 auf 39 Mill. DM Anlagewerte standen per 31. 12. 62 mit unverändert 74 Mill. zu Buch. Schon seit vielen Monaten war Neckermann um die Konsolidierung seiner Firma bemüht. Dabei zeigte sich sehr schnell, daß die in Frage kommenden deutschen Geldgeber nicht geneigt waren, Neckermann weiterhin unbeaufsichtigt schalten und walten zu lassen. Die deutschen Finanzleute sind gegenüber sogenannten dynamischen Persönlichkeiten mißtrauisch geworden. Nach der Schlieker-Affäre durchaus verständlich. Hinzu kam, daß im Falle Neckermann von vielen Seiten die gegenüber vergleichbaren Unternehmen zu niedrige Rentabilität beanstandet wurde. So lange von Neckermann die Bilanzen der letzten Jahre nicht auf dem Tisch liegen, wird es schwer sein, dafür Beweis oder Gegenbeweis anzutreten.

Bei allen Berechnungen wird zu berücksichtigen sein, daß sich Neckermann in den letzten Jahren immer mehr zu einem gemischten Unternehmen entwickelt hat. Neben dem Versandgeschäft forcierte er nach US-Vorbild den Kaufhaus- und Einzelhandelszweig. Von dem Umsatz des Jahres 1962 von 720 Mill. entfielen etwa 340 Mill. auf das Versandgeschäft und 380 Mill. auf Kaufhäuser und Einzelhandel. Die betriebliche Umstellung erfordert naturgemäß beträchtliche Mittel. Ehe diese sich verzinsen, vergeht naturgemäß eine geraume Zeit. So gesehen wird eine Beeinträchtigung der Rentabilität begreiflich. Andererseits wird man Neckermann zugutehalten müssen, daß das Versandgeschäft von Jahr zu Jahr schwieriger wird und daß ausländische Erfahrungen lehren, wie nützlich es ist, regionale „Stützpunkte“ zu besitzen, von wo aus der unumgängliche Service für technische Geräte gesteuert werden kann. Sicher ist, daß im reinen Versandhandel die Sahne zur Zeit abgeschöpft ist. Nur wenige Spitzenbetriebe liegen noch gut im Rennen.