Die beträchtlichen Gebührenerhöhungen in den meisten Teildienstzweigen der Post treten ab 1. März 1963 in Kraft. Weitere Tarifanhebungen im Fernsprechverkehr zwischen 19 und 21 Uhr sind ab 1. Juli zu erwarten. Telegramme und Fernsprecheinrichtungen sind bereits zum Jahresanfang teurer geworden. Nun gilt es, sich darauf einzustellen und jene Versendungsart oder Dienstleistung zu wählen, die die Mehrbelastungen in tragbaren Grenzen hält.

Nicht nur die Gebühren hat die Post erhöht. Auch einige Benutzungsbestimmungen sind zu Lasten der Kunden verschärft worden, um die Rationalisierung voranzutreiben. Die neue Postordnung, die zur Zeit noch als "geheime Dienstsache" betrachtet wird, tritt zwar erst Anfang 1964 allgemein in Kraft, verdient aber jetzt schon Beachtung. Einmal scheint sie einige Überraschungen zu bringen, zum anderen steht ihr Inhalt wohl nicht immer in Einklang mit früheren Äußerungen des Bundespostministers.

Künftig wird für unzureichend oder nicht freigemachte Sendungen neben der fehlenden Frankierung ein Betrag von 0,30 DM vom Empfänger kassiert (bislang war es das fehlende Porto zuzüglich die Hälfte davon).

Bei unfrei versandten Paketen wird dem Empfänger neben der Zustellgebühr von 0,30 DM ab 1. März zusätzlich eine halbe Markabgenommen: Unfrankierte Pakete sind der Post unerwünscht.

Außerdem ist von Bedeutung, daß sogenannte "portopflichtige Dienstsachen" fortfallen. Das kann für die Staatsbürger, die von ihrer Behörde einen Brief erhalten, ein teures Vergnügen werden. Denn da diese Sendungen dann als "vorschriftswidrig" gelten, müßte der Empfänger dafür, wenn er sie nicht an den Absender zurückgehen läßt (auch im Ortsverkehr), 0,50 DM bezahlen.

Was werden die Gebührenerhöhungen der Post einbringen, nachdem 1961 ein Defizit von 142,5 Mill. DM verzeichnet wurde und 1962 ein Minus von 330 Millionen gebracht haben dürfte?

Die Post rechnet in ihrem Voranschlag für das Rechnungsjahr 1963, daß an Stelle des ohne Gebührensteigerung erwarteten Defizits von 600 Millionen nur ein Verlust von 14 Millionen tritt. Nach neuesten Schätzungen fürchtet die Post bereits ein Defizit von etwa 100 Mill. DM, weil die Gebührenanhebungen nicht wie geplant zu Anfang des Jahres, sondern erst ratenweise im März und im Juli in Kraft treten.