FRANKFURT/Main (Kleines Theater am Zoo):

"Die Unbekannte aus der Seine" von Ödön von Horvath

Die Bemühungen der Theater um den deutschschreibenden Ungarn, der .1936 in Paris von einem Baum erschlagen wurde, gehen weiter. Nach Hilpert in Göttingen und Schweikart in München "hat sich Fritz Rémond als Privattheater-Direktor das Unzumutbare zugemutet". Willy H. Thiem, der in der Abendpost zu diesem Schluß gelangte, vermißt den "Aufwand – noch in der kleinsten der über zwanzig Rollen – Aufwand, den notfalls Barlog in Berlin oder Häußermann in Wien sich leisten kann". Das Stück ist eine Liebestragödie, die "mit einem Lächeln endet, obwohl es zwei Tote gibt". Auch Günther Rühle setzt sich in der FAZ mit werbender Sympathie für Horvath ein. "Horvaths Nähe zu seinen Figuren ist eine Nähe, die mit dem Fernrohr herbeigeholt ist..., die das Stück vor dem Kitsch rettet, den es als Ausgangspunkt hat." Würde in Rémonds Inszenierung der dritte Akt neugefaßt, dann hätte sie "dem Kammertheater ein Volksstück zurückgebracht".

HANNOVER (Landestheater):

"Die echten Sedemunds" von Ernst Barlach

In Hannover fühlt man sich ebenso wie in Berlin verpflichtet, ab und zu an Ernst Barlach als Dramatiker zu erinnern. Im Berliner Schillertheater hatte vor einigen Jahren Hans Lietzaus Inszenierung der "Echten Sedemunds" (mit Ernst Schröder und Thomas Holtzmann) einen starken, durch entschiedene Werkinterpretation verdienten Erfolg. Auch die hannoverschen Premierenbesucher reagierten jetzt sehr beifällig auf das "kommentarbedürftige" Stück mystischer Gottsuche, in dem einer Kleinstadtgesellschaft die Maske vom Gesicht: gerissen wird. Allerdings hatte Kurt Ehrhardts Inszenierung, wie in der FAZ bemerkt wird, das ironisch gemeinte Finale als Happy-End ausgelegt. Der Regisseur "dieses in jedem Falle verdienstvollen Bemühens um Barlach" setzte zwar "völlig richtig im blanken Naturalismus ein, für den sein Ensemble und sein oft bewährter Arbeitsstil beste Voraussetzungen bereitstellen". Doch schlug in Ehrhardts Inszenierung, wie die Deutsche Zeitung schreibt, "die Wirklichkeit... nicht zwangsläufig in die gespenstischen Visionen um, zu denen Barlach das Stück ... treibt". Durch die Bühnenbilder von Rudolf Schulz wurde "die Polarität der ‚Sedemunds‘ ein wenig zu sehr eingegraut". In den Hauptrollen: Gerhard Just und Rudolf Melichar (Vater und Sohn Sedemund), Wolfgang Engels (Onkel Waldemar), Alfons Lipp (Grude), Renate Schröder (Sabine). Jac