In diesem Jahr dürfte, teils vor feierlicher Kulisse, teils hinter den Kulissen, mancherlei getan werden für die deutschen Universitäten.

Die ersten Frühlingsträume der Universitätsreformer sind ausgeträumt. Soziologen vom Range Schelskys und Dahrendorfs stimmen überein in der Erkenntnis: Eine Erneuerung der bestehenden Universitäten von innen her ist nicht mehr zu erhoffen. Das wäre etwa so, als erwartete man vom deutschen Bundeskanzler eine Erneuerung der parlamentarischen Demokratie liberaler Prägung..

Fünf Faktoren sind es, welche die notwendigen Änderungen dennoch herbeiführen sollten:

1. Einzelne Professoren können von Plattformen außerhalb des geschlossenen Fakultäten-Verbandes her zeigen, wo die Schwächen des bestehenden Systems liegen, und Wege weisen zu neuen Möglichkeiten. Bisher wurden auf diese Weise die stärksten Wirkungen erreicht, wie vor allem die Arbeit des Wissenschaftsrates lehrt.

2. Die zuverlässigsten Wegweiser helfen nichts, wo niemand sie beachtet. Die Kultusminister und ihre Hochschulreferenten tragen dafür die entscheidende Verantwortung. "So ketzerisch es im Kontext deutscher akademischer Tradition ist, dies zu sagen, so wichtig scheint es doch, einmal darauf hinzuweisen, daß Chance und Verantwortung der Reform in erster Linie bei den wirtschaftlichen und administrativen Trägern der Universität liegen, d. h. in Deutschland bei den zuständigen staatlichen bzw. politischen Instanzen." Diesen Satz entnehmen wir der höchst bemerkenswerten Analyse von Ralf Dahrendorf, "Starre und Offenheit der deutschen Universität: die Chancen der Reform" (Europäisches Archiv für Soziologie, 1962/2). Sein Wahrheitsgehalt wird dadurch nicht geringer, daß freilich zu fürchten ist, es könnten bei dieser Gelegenheit parteipolitische (auch lokalpolitische) und kulturpolitische Gesichtspunkte heillos durcheinandergeraten – eine Gefahr, der man ja nicht zu erliegen braucht.

3. Ein Faktor, der durchaus zum Guten wirken kann, obwohl sein Wirken nicht nur Freude macht, ist der Druck der Studenten. Wo nicht durch ihren Willen, der ja schwer einen verbindlichen Ausdruck finden kann, so sorgen die Studenten doch allein durch ihre ständig wachsende Zahl dafür, daß die alten Formen gesprengt werden.

4. Universitätsneugründungen könnten Modelle liefern, die, sofern sie sich wirklich als zweckmäßig, also als gelungen erweisen, nicht ohne Rückwirkungen auf die "alten" Universitäten bleiben dürften. Die kürzlich veröffentlichten "Empfehlungen zum Aufbau der Universität Bochum", die der Gründungsausschuß unter dem Vorsitz von Hans Wenke erarbeitet hat, sind hierfür ein Beispiel.