Von Leonard Forster

Die zunehmende Technisierung unserer Zivilisation bringt es mit sich, daß in England wie anderswo in den verschiedensten Schichten der Bevölkerung die Forderung nach höherer Ausbildung immer stärker erhoben wird.

Der Andrang zu den Universitäten ist groß, doch besitzen unsere Universitäten – anders als zum Beispiel die in der Bundesrepublik – die Möglichkeit, bei der Zulassung eine gewisse Auswahl zu treffen.

Die Universität tut im Grunde das, was jeder Gastwirt tut. Der ist gesetzlich verpflichtet, jeden bona fide Reisenden aufzunehmen; er ist jedoch nicht verpflichtet, Leute unterzubringen, für die er keinen Platz hat. Ist der Andrang sehr groß, so baut der kluge Hotelier einen Anbau oder gar ein zweites, drittes Hotel. Er kann aber auch seine Preise erhöhen, so daß aus diesem Grunde der Andrang nachläßt. Er kann schließlich beides tun.

Die englischen Universitäten erhöhen nicht die Preise, sondern sie verschärfen die Zulassungsbedingungen, und zwar im Sinne einer Auslese, die von den einzelnen Universitäten mittels einer Aufnahmeprüfung und einem "Interview" getroffen wird.

Diese Prozedur ist um so eher berechtigt, als die meisten Studenten seit dem Kriege – man rechnet etwa 75 bis 80 Prozent – nicht auf eigene Kosten, sondern auf Kosten entweder des Staates oder der verschiedenen Stadt-, Kreis- und Bezirksbehörden studieren, und zwar mit Hilfe von Stipendien, die meistens auf Grund der erfolgten Zulassung zum Studium verliehen werden.

Schon vom ersten Semester an ist also der englische Universitätsstudent das Produkt einer gewissen Auslese, und das in einem Sinne, der für die Bundesrepublik (und für die Schweiz) nicht gilt.