Konrad Adenauer ist nicht nur ein Staatsmann, der Geschichte machte, er lehrt auch Geschichte. Kürzlich kam Roswell Gilpatric‚ der stellvertretende amerikanische Verteidigungsminister, nach Bonn, um die Stellung der Bundesrepublik zur NATO nach Abschluß des deutschfranzösischen Vertrages sowie die multilaterale Atomstreitmacht zu besprechen. Wie man in Washington erfährt, hat der Kanzler von den zwei Stunden, die für seine wichtige Unterhaltung mit Gilpatric zur Verfügung standen, mehr als die Hälfte mit einem Vortrag über die deutsch-französische Geschichte seit Ludwig XIV. ausgefüllt.

Nicht besser erging es dem italienischen Außenminister Piccioni. Auch er mußte sich einer Geschichtsbelehrung unterziehen. Allerdings begann sie, worüber man sich in Rom besonders amüsiert, schon mit Franz I. Es soll auch noch eine dritte Variante historischer Lektionen geben, aber die ist offenbar für Leute unterhalb des Ministerranges bestimmt. –n