Quo vadis, Seebohm?

Wie Bonner Auguren wissen wollen, sind die Ministertage des Dr. Hans-Christoph Seebohm gezählt. Zwar gibt es auch Stimmen, die ihn bis 1970 an der verkehrspolitischen Macht halten wollen – das gäbe dann ein 20jähriges Ministerjubiläum –, aber diese Stimmen sind in der Minderzahl. Zur Begründung wird von der Seebohmgruppe ins Feld geführt, daß nur er die Gewähr für eine reibungslose Überleitung in die Ära der europäischen Verkehrspolitik biete. Tatsächlich dürfte Seebohms Stunde schon im Herbst dieses Jahres schlagen, mit Sicherheit aber zum Ende dieser Legislaturperiode. Da trifft es sich gut, daß die Deutsche Lufthansa – des Verkehrsministers liebstes Kind – dringend einer Führungspersönlichkeit bedarf. Ein Unternehmen mit 12 000 Mitarbeitern kann nicht länger ohne Vorstandsvorsitzer „regiert“ werden. Das ist jedenfalls die eindeutige Meinung des Aufsichtsrats. Um so überraschender, daß er die Entscheidung über die Berufung eines Generaldirektors bis zum Herbst dieses Jahres hinausschieben will – wenn nicht gar auf einen noch späteren Zeitpunkt. Offenbar nur mit Rücksicht auf Minister Seebohm und dessen im Augenblick noch nicht klar übersehbares politisches Schicksal. Wenn es aber richtig ist, daß die Lufthansa einen Generaldirektor braucht, dann gewiß doch nicht erst dann, wenn ein Minister gerade „frei“ wird.

Wer regiert wen?

Der Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Volkmar Hopf, hat „im engeren Kreis“ von „Rücktritt“ gesprochen, falls die Militärbauabteilung wieder dem Bundesschatzministerium unterstellt werde. Er glaubt, keine „Verantwortung“ mehr tragen zu können, wenn der Verteidigungsbau wieder den Zivilisten übertragen wird. Er kann dies sachlich begründen – aber hier mischt sich ein Beamter in Dinge ein, die rein politischer Natur sind. Daß der CSU-Minister Dollinger im Interesse einer geordneten Baumarktentwicklung das „Oberkommando“ zurückerhalten soll, wurde vom Bundeskanzler bei der letzten Regierungsbildung mündlich zugesagt, Diese „Wiedervereinigung“ gehört also zur Koalitionsgrundlage. Nach vielfach bewährter Manier überließ Adenauer es allerdings seinen Ministern Dollinger und von Hassel sich in dieser Organisationsfrage „zusammenzuraufen“. Sie sind am Zuge – nicht aber deren Staatssekretäre. Schon gar nicht kommt es einem Staatssekretär zu, die „Kabinettsfrage“ aufzuwerfen, wenn dies in Bonn auch in Mode zu kommen scheint und er am „Zurücktreten“ Gefallen gefunden hat. Wer „regiert“ in Bonn eigentlich wen? Der Minister seinen Staatssekretär – oder umgekehrt?