Von Colin Cherry

Viele Verkehrsunfälle würden sich verhindern lassen, wenn auch Kraftfahrer als Menschen miteinander reden könnten, meint Dr. Cherry, Professor für Fernmeldetechnik am Imperial College in London. Diesen Beitrag entnehmen wir dem Buch „The Scientist Speculates“, einer Anthologie halbgarer Ideen prominenter Wissenschaftler (Heinemann Verlag, London)

Hängt zehn Kraftfahrer wegen Gefährdung des Straßenverkehrs, und tausend andere werden ihr Leben behalten! Ich glaube nicht in diese populäre Patentlösung. Ich bin vielmehr der Meinung, daß sich Motoristen besser benähmen, wenn man ihnen weniger Einschränkungen auferlegen würde – statt mehr, wie es ständig geschieht.

Unter den einschränkenden Bedingungen, denen sich der Autofahrer beugen muß, ist eine, die ich für völlig untragbar halte: Die Tatsache nämlich, daß er nicht mit den anderen Verkehrsteilnehmern reden kann. Hierin sehe ich den Grund für seine bedenkliche Moral und sein schlechtes Benehmen auf der Straße.

Ich gehöre der Schule an, die in der Sprache den fundamentalen Unterschied zwischen Mensch und Tier sieht. Alle typisch menschlichen Äußerungen beruhen auf der Sprache: unsere gesamte Begriffswelt, unsere Gedanken und unsere zivilisierte Einstellung zueinander. Ohne Sprache gäbe es keine Gesellschaft.

Wer das Menschliche im Menschen töten will, braucht ihn nur ins Gefängnis zu sperren, auf den Kasernenhof oder in die Wüste zu schicken. Isoliert von seinen Mitmenschen, eingesponnen in seine eigene Welt wird er zum Ausgestoßenen, und Haß wächst in ihm.

Ein Auto hält an; der Fahrer fragt uns nach dem Weg –, er macht den Eindruck eines freundlichen Zeitgenossen. Aber sobald er weiterfährt, wird er zur Bestie – zwar nicht für diejenigen, mit denen er drinnen in der kleinen Welt der Limousine schwatzt, aber für die anderen, die ihrerseits in isolierten Zellen am Steuer sitzen. Kein Wort, keine Geste der Sympathie oder des Verständnisses verbindet sie miteinander.