Fünfzehn Prozent „ansparen” – den Rest zahlt Wirrwa

Hamburg

Der Ehrenbergstraße in Hamburg-Altona mit ihren klassizistischen Fassaden sieht man an, daß Altona nur durch einen Verwaltungsakt an Hamburg angehängt wurde: hier wirkt noch altes Preußen. Hier verkaufen Antiquitätengeschäfte, was davon noch übrigblieb.

Die Männer in Ledermänteln und Winterjoppen, die vor dem Haus Nummer 25 in Gruppen lebhaft diskutieren, kommen freilich aus einer anderen Welt – aus St. Pauli, Neustadt, Barmbek und ähnlichen ganz „unpreußischen“ Stadtteilen. Lebhaftes Fuchteln mit flachen Aktentaschen, in denen Frühstücksbrot zur Arbeit mitgenommen wurde, energische Gesten, die bedeuten sollen: Mir macht keiner was vor.

Zwei Männer lösen sich aus einer der Gruppen. Als sie vorbeikommen, höre ich: „Fünfzig Prozent, das könnte man noch verstehen, meinetwegen auch hundert oder hundertzwanzig – aber soviel, das muß ja Schwindel sein.“ Und der andere stimmt zu.

Gläubige – nicht Gläubiger

Die beiden sind als ketzerische Minderheit in die Flucht geschlagen worden. Denn vor dem Haus, in dem der erste Kassierer der „Gesellschaft zur Förderung der Eigentumsbildung“ (GFE), Erich Wirrwa, sein Büro hat, sind seine Gläubigen in der Mehrzahl. Gläubige – nicht Gläubiger. Denn Wirrwas lockende Geldquellen haben bisher gehalten, was der Finanzphantast seinen Kunden versprach. Wer vor einem Jahr oder früher begann, bei ihm Geld einzuzahlen, der hat den Gegenstand auch bekommen, den er haben wollte und der fünfundachtzig Prozent mehr kostete, als er bezahlen mußte.