In der „ZEIT“ wurde behauptet (ZEIT Nr. 3, „Auch die freien Berufe profitieren von den Segnungen der Wohlstandsgesellschaft“), daß die Ärzte im Jahre 1961 im Durchschnitt 70 000 DM umgesetzt hätten. Der Autor berief sich auf eine Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes vom Dezember 1962. In dieser Veröffentlichung von Dr. Lotz wird der Durchschnittsumsatz aller freipraktizierenden Ärzte gar nicht errechnet‚ sondern lediglich der Prozentsatz von bestimmten Einkommensgruppen angegeben. Aus den Unterlagen der Umsatzsteuerstatistik 1961 ist auch nicht ersichtlich, wieviel Ärzte im Bundesgebiet einen jährlichen Gesamtumsatz bis zu 20 000 DM gehabt haben. Dies dürfte auch dem Autor dieses Artikels bekannt gewesen sein. Dennoch unterschlägt er 10 709 Ärzte, die 1961 weniger als DM 20 000 umgesetzt haben. Das sind rund 20% der freipraktizierenden Ärzte. Ein Blick in die Statistik über die „Zahl der Ärzte nach dem Stande vom 1. Januar 1962 (veröffentlicht in „Ärztliche Mitteilungen“ am 10. 11. 62) zeigt, daß die Gesamtzahl der Ärzte im Bundesgebiet, einschließlich Westberlin, die Umsatzsteuererklärungen abgeben müssen, 51 926 beträgt. Darunter sind 47 610 Ärzte in freier Praxis und 4316 Chefärzte. Hiervon halten 41 217 Ärzte im Jahre 1961 tatsächlich einen Umsatz von über 20 000 DM, nämlich insgesamt 2 932 386 000 DM. Wenn man diesen Gesamtumsatz durch die Zahl dieser Ärzte teilt, ergibt das tatsächlich einen Durchschnitt von 70 000 DM pro Arzt.

Die Umsätze der Ärzte unter 20 000 DM sind in einzelnen Gruppen getrennt in den Jahren 1955, 1960 und 1961 vom Statistischen Bundesamt ermittelt worden. Insgesamt wurden dadurch 9784 Ärzte mit einem Gesamtumsatz von 71 162 000 DM erfaßt. Wenn man zur Zahl dieser Ärzte und zu ihrem Gesamtumsatz 10% hinzuzählt, kommt man fast genau auf jene Zahl von 10 709 Ärzten, die der Autor Ihres Artikels „vergessen“ hatte. Diese Berechnung dürfte statistisch durchaus glaubhaft sein.

Nunmehr ergibt sich bei 51 926 Ärzten ein Gesamtumsatz von 3 010 664 000 DM und damit ein Durchschnittsumsatz für den einzelnen Arzt von etwa 57 800 DM. 6139 Ärzte erzielten Umsätze von über 100 000 DM, insgesamt 948 880 000 DM. Umsätze bis zu 100 000 DM erzielten 45 787 Ärzte mit insgesamt 2 061 864 000 DM. Für diese Gruppe der „Normalverdiener“ ergibt sich ein Durchschnittsumsatz von rund 42 500 DM. Zieht man von diesem Umsatz die in Ihrem Artikel angegebene Unkostenquote von 36% ab, so verbleibt vorab für den ärztlichen „Normalverdiener“ ein zu versteuerndes Einkommen von rund 27 000 DM im Jahr.

Dr. Hermann Kater, Hameln