SÜDDEUTSCHER RUNDFUNK

Sonntag, 24. Februar, das Hörspiel:

Nicht um einen bestimmten, nicht um einen erfundenen Zirkus handelt es sich hier. Dieser Zirkus ist ein Extrakt der Manegen, Arenen und Zelte, welche Welt, Literatur und Phantasie besitzen und besaßen. Ein phantastisches Poem von Löwen, Affen und Pferden, von der Trapezkünstlerin, dem Dompteur und den Clowns. Alle sind aus der zarten und doch zähen Substanz gemacht, aus der Kinderträume gebaut sind. Diese Träume wiederum sind nicht Produkte allein der kindlichen Natur, sie sind zusammengeleimt aus allem, was hängenblieb im Bewußten und Unbewußten, zu eigener Lebenszeit, aus naher oder ferner Vergangenheit – von der Ahnung frühester Zeiten.

Brocken, die der Lehrer den Kindern über das Thema Zirkus zuwirft, haben zwar schon phantastische Umrisse, sind aber literarisch noch greifbar: Freiligraths Löwenritt und seinen Schlittschuh laufenden Neger ‚an nord’scher Bucht‘, seit den Schulstunden unserer Väter entschwunden, glauben wir wiederzusehen. Ein Satz von Victor Hugo bringt die Schulklasse zum Lachen: Paris, traurige Stadt, wende deine Blicke zum Zirkus, wo man den Zauber der Künste sich mit den Klängen der Leier vereinen sieht!“

Der Lehrer wurde von Günther Lüders herrlich gesprochen, eine Gestalt, unwirklich wie die Lehrer-Puppe in einer Puppen-Schulstube und dabei echt wie ein Lehrer nur sein kann. Man fühlt förmlich die Umrisse dieser Figur, hört Maske und Kostüm. Auch die anderen Rollen waren gut besetzt.

Zahlreiche Sprecher, Sprecherinnen, Ansager und Kommentatoren benutzte der Autor Thibaudeau, um sein romantisches Zirkusbild ebenso erklären wie verschwimmen zu lassen. Eine geglückte Inszenierung von Friedhelm Ortmann. R. H.